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Beobachtungen und Gedanken einflossen. Er konnte das Wesentliche erfassen
und vom Unwesentlichen trennen. Nur mit dieser Eigenschaft, mit seinem
ausgeprägten Sinn für System und Ordnung, gepaart mit Organisationstalent
konnte ihm der große Wurf mit seinem Buch „Geologie der Alpen“ gelingen.
Die Spezialisten der Alpengeologie hatten diesen Schritt nicht gewagt. Seinem
Ordnungssinn entsprachen auch die „Morphometrischen Messungen im
Schichtstufenland in Südwest-Württemberg“ und sein hervorragender Leitfaden
„Geometrische Grundlagen der Geologie“.
Die wissenschaftlichen Arbeiten GwInNnEers reichen vom Buntsandstein bis
zum Holozän. Sie erfassen Bodenkunde, Erdölgeologie, Geophysik, Tektonik,
Vulkanismus, Stratigraphie, Sedimentologie, Fazieskunde und Geomorphologie.
In allen seinen Arbeiten zeigt sich die Verbundenheit mit der Heimat,
ohne daß sich Kleinkariertheit breitgemacht hätte. Für ihn gilt das Wort des
Philosophen EDUARD SPRANGER: Heimat ist geistiges Wurzelgefühl.,
Kollegen und Studenten erwarteten, daß Prof. GwiNnEr die Nachfolge von
Prof. ALDINGER als Ordinarius des Instituts für Geologie und Paläontologie an
der Universität Stuttgart antreten würde. Man hielt jedoch an dem Prinzip
fest, keine Hausberufungen durchzuführen. So bekam HAnNs-GEOrRG WUNDER-LICH,
der in Göttingen gelehrt und sich einen guten Namen gemacht hatte,
den Lehrstuhl. GwInNner ging 1972 an die Universität Mannheim, wo er innerhalb
des Geographischen Instituts die Abteilung Geologie leitete. Durch den
allzufrühen Tod WUNDERLICHS 1974 wurde es möglich, GwINNER zum Sommersemester
1975 als ordentlichen Professor nach Stuttgart zu berufen.
Nun konnte sich der Hochschullehrer frei entfalten. Mit Macht trieb er die
geologische Erkundung, vor allem in Württemberg, voran. In Zusammenardeit
mit dem Geologischen Landesamt Baden-Württemberg überarbeitete er
zahlreiche Blätter der „Albkartierung“ und brachte sie samt den Erläuterungen
zur Druckreife. Was er seinen Studenten klarzumachen versuchte, befolgte er
selbst, nämlich eine Arbeit fertigzustellen, auch wenn noch nicht alle Unklarheiten
beseitigt sind, da nur so ein Fortschritt erzielt werden kann und die
Wirtschaftlichkeit gewährleistet ist. Für seine großen Verdienste um die Geologie
Baden-Württembergs wurde er zum „Freiwilligen und ständigen Mitarveiter
des Geologischen Landesamts Baden-Württemberg“ ernannt.
GWwINNER schaute natürlich über die Landesgrenzen hinaus und wußte aus eigener
Anschauung, daß überall in der Welt interessante geologische Fragestellungen
ihrer Lösung harren, doch sah er auch — im Gegensatz zu vielen anderen
Ordinarien —, daß dies in unserem Land ebenfalls gegeben ist. Dies
hinderte ihn aber nicht, die Studenten hinauszuführen in für sie fremde Gefilde
und ihnen die Augen zu öffnen. So ergänzten Exkursionen die Vorlesunzen
in Allgemeiner und Regionaler Geologie. Er führte seine Studenten ins
Rheinische Schiefergebirge, in die gesamten Alpen, ins französische Zentralmassiv
und nach England, Wales und Schottland. Die Studenten waren in die
Vorbereitung und die Ausarbeitung der Exkursionen einbezogen. Es ist intersssant
zu erfahren, wie Studenten ihren Lehrer sahen: Übereinstimmend wird
sein außerordentliches didaktisches Geschick genannt, mit dem er komplizierte
Zusammenhänge vereinfacht darstellen konnte. Mit. seiner bildhaften
Sprache konnte er die Studierenden für die Geologie begeistern und sie spür-Jh.
Ges. Naturkde. Württ. 147 (1992)