Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 151, 1995)

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HELMUT BAUMANN und WOLFRAM WAHRENBURG

Anlage des Panzerübungsgeländes konnte der Stuttgarter Botaniker Wir:
HELM KREH (1954) erstmals eine Häufung von seltenen Arten nachweisen.

Die Lage des Gebietes und seine Entstehung
Der Böblinger Panzerplatz liegt zwischen Böblingen und Musberg. Er ist
Teil des Naturraums Glemswald, der sich von Waldenbuch im Süden bis
Leonberg im Norden erstreckt. Die Fläche des Panzerplatzes betrug
583,3 ha. Nach TiScHNER (1950: 2, 3) betrieb das ehemalige Deutsche
Reich ab 1936 den Grundstückserwerb mit der Stadt Böblingen (503 ha),
der Stadt Sindelfingen (19,4 ha) und der Württembergischen Forstdirektion
 (60,9 ha). Die topographische Karte von Württemberg (Blatt 82 des
Württ. Statistischen Landesamtes) von 1935 zeigt zu dieser Zeit ein geschlossenes
 Waldgebiet, das sich nach GASTEL (1994: 16) bis ins 16. Jahrhundert
 zurückverfolgen läßt (SCHWEIKHER 1575, GADNER u. ÖFFINGER
1592). Das erstaunlich genaue Kartenwerk von ANDREAS KIESER aus dem
Jahre 1682 zeigt den „Böblinger Waldt“ (Karte 12, 13) ebenfalls als geschlossenes
 Waldgebiet, bei dem nur das „Besenfeld“ und die „Musberger
Stelle“ als waldfreie aber baumbestandene Flächen erkennbar sind. Ab
Herbst 1936 begann die Rodung des Waldes, die sich bis 1939 hinzog. Von
den knapp 600 ha Gesamtfläche wurden nach TISCHNER (1950: 3) 372 ha
(= 63,5 %) abgeholzt.
Fast die gesamte Fläche des Panzerplatzes wird vom Stubensandstein
eingenommen. Über diesem liegen mittel- bis grobsandige Lehme, schwach
lehmige Böden oder flachgründige Sandböden in geringer Mächtigkeit.
Diese kargen Böden verhinderten schon immer eine landwirtschaftliche
Nutzung, so daß man davon ausgehen kann, daß das Gebiet ursprünglich
von einem Hainsimsen — Buchenwald (Luzulo — Fagetum) bedeckt war.
Der Kernbereich weist nur geringe Reliefunterschiede auf und liegt in einer
Höhenlage zwischen 470 und 503 m. Ein größeres Gefälle zeigt sich nur
am Südrand zu den Quellbächen des Sulzbaches auf 400 m Höhe.

Zur floristischen Erforschung
Als erster beschäftigte sich TISCHNER (1950: 1-48) im Rahmen einer Diplomarbeit
 des Fachgebietes Forstwirtschaft der Landwirtschaftlichen
Hochschule Hohenheim mit dem „Panzertruppenübungsplatz Böblingen“.
Wie der Titel dieser Arbeit „Das Schicksal einer Rodefläche in land- und
forstwirtschaftlicher Hinsicht 1937-50“ erkennen läßt, standen waldbauliche
 Aspekte im Vordergrund. Für die zeitliche Abfolge von Rodung und
späterer Nutzung stellt diese Arbeit jedoch eine wichtige Informationsquelle
 dar. Obwohl er ein ca. 25 ha großes Naturschutzgebiet vorschlug,
um die Sukzessionsfolge der Rodungsfläche ungestört beobachten zu können
 (1950: 36), war ihm der Reichtum an seltenen Tier- und Pflanzenarten
verborgen geblieben. Bereits in den beiden darauffolgenden Jahren 1951
und 1952 erkannte KREH (1954: 67-70) die floristische Bedeutung des für
die Stuttgarter Flora herausragenden Gebietes. Es gelang ihm der Erstnach-Ih.

 Ges. Naturkde. Württ. 151 (1995)
            
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