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CHRISTIAN STORM
Umgebung von Emittenten läßt sich so sehr eindrucksvoll die fortschreitende
Verarmung der Flechtenvegetation mit Annäherung an eine Schadstoffquelle
aufzeigen (z. B. LEBLANC et al. 1974). Bedeutend schwieriger zu
klären sind die ökologischen Folgen der großräumig verteilten, vergleichsweise
niedrigen Konzentrationen komplexer Schadstoffgemische, wie sie
heute für viele Gebiete wie den Schwarzwald typisch sind. Hier kommt es
zu äußerlich kaum feststellbaren chronischen Wirkungen auf Pflanzen, Veränderungen
der Konkurrenzkraft und Synergismen (GUDERIAN 1986, BELL
1987).
Außerdem ist zu bedenken, daß verschieden stark mit Schadstoffen belastete
Gebiete in der Regel auch Unterschiede hinsichtlich anderer Umweltfaktoren
zeigen, beispielsweise beim Klima. Zur Interpretation räumlicher
Muster müssen daher neben Immissionen weitere Umweltfaktoren einbezogen
werden, um Fehlschlüsse zu vermeiden. Da sich alle Einflüsse in einem
komplexen Beziehungsgefüge überlagern, ist es allerdings schwierig,
quantitative Aussagen zu der Wirkung einzelner Faktoren zu machen.
Diese Situation erschwert auch die Interpretation von Kartierungsergebnissen
zum Zwecke der Bioindikation.
Hier sind multivariate statistische Verfahren bei der Datenanalyse notwendig,
mit denen sich ermitteln läßt, wie die Wirkung eines Umweltfaktors
bei gleichzeitigem Einwirken eines anderen modifiziert wird. Ein erster
Schritt bei der Analyse von Beziehungen zwischen ökologischen Parametern
ist die Ermittlung von Korrelationen. Aber der Nachweis einer signifikanten
Korrelation erlaubt noch keine Voraussage darüber, mit welcher
Deckung beispielsweise ein bestimmtes Flechtentaxon vorkommt, wenn
bestimmte Umweltbedingungen herrschen. Für Aussagen dieses Typs sind
Regressionsverfahren nötig. Mit der logistischen Regression steht eine geeignete
Methode zur Verfügung, mit der ökologische Daten analysiert werden
können. Dieses bislang in der Pflanzenökologie noch kaum verwendete
Verfahren bildet den Mittelpunkt dieser Studie. Im Vordergrund wird
die Frage stehen, ob auch in abgelegenen Teilgebieten des Schwarzwaldes
ein Einfluß von Luftschadstoffen auf die Flechten nachgewiesen werden
kann und wie sich andere Faktoren auf den Flechtenbewuchs auswirken.
Die Studie beruht auf den Daten der Dissertation des Autors (STORM
1994). Die Analyse wird jedoch durch neue Auswertungen vertieft. Unzersuchungen
zum Unterwuchs der Wälder, zu pflanzensoziologischen
Aspekten und detaillierte Angaben zur Methodik finden sich außerdem bei
STORM (1996 a, 1996 b).
af
as Untersuchungsgebiet
2.1 Allgemeines
Als Untersuchungsgebiet (Abb. 1) wurde der ca. 400 km? große südöstliche
Teil des Mittleren Schwarzwaldes gewählt. Der Grenzverlauf folgt den
naturräumlichen Einheiten. Das Gebiet läßt sich weiter untergliedern in
zwei Naturräume:
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 152 (1996)