Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 152, 1996)

168

WALTER ZUGMAIER und GÜNTER GOTTSCHLICH

schaft gedeutet werden, denn die Art ist mit Sicherheit eine selbständige
Sippe mit einem sehr eigenständigen, leicht zu erfassenden Merkmalsgepräge,
 das wie folgt charakterisiert werden kann (vgl. Abb. 1):
Ausdauernde, bis 1m hohe, kräftige Pflanze ohne Grundblätter. Die
Stengelblätter sind behaart und deutlich gezähnt. Ihre Zahl beträgt 15-30
(seltener auch geringfügig mehr), wobei die untersten Blätter zur Blütezeit
bereits vertrocknet sind. Die Blätter im unteren Stengelbereich sind länglich-lanzettlich
 bis lanzettlich und zur Basis hin lang verschmälert. Im
mittleren und oberen Stengelbereich sind die Blätter lanzettlich bis lanzettlich-elliptisch
 bis elliptisch und mit breiterem Grund halbstengelumfassend
bis fast stengelumfassend sitzend. Der gesamte Stengel ist stark behaart sowie
 oberwärts sternhaarig und spärlich drüsig. Die lockerrispige Synfloreszenz
 hat mehr oder weniger stark behaarte, drüsige und sternhaarige bis
reichlich sternhaarige Aste und Kopfstiele. Die Kopfstiele weisen 3-5
Brakteen auf. Die spärlich behaarten, stumpfen, drüsigen und sternhaarigen
 Hüllblätter sind typischerweise breit hellgrün gerandet. Die Früchte
sind hell- bis rot-, seltener dunkelbraun. Die Blütezeit ist von August bis
Ende September.
Von Hieracium prenanthoides und Hieracium inuloides (laevigatum —
brenanthoides) unterscheidet sich Hieracium Iycopifolium durch den sehr
reich- und langhaarigen (1-3 mm) unteren Stengelabschnitt und durch behaarte,
 weiche und auffallend gezähnte Blätter. Von allen übrigen in Südwest-Deutschland
 vorkommenden Aphyllopoda-Arten (zur Blütezeit ohne
Grundblätter und mit zahlreichen Stengelblättern) der Untergattung Hieracium
 läßt sich Hieracium lIycopifolium durch halbstengelumfassende bis
fast stengelumfassende mittlere und obere Blätter abgrenzen.

Ökologie und Vergesellschaftung
Der Wuchsort von Hieracium lycopifolium befindet sich am südexponierten
 felsigen Trauf des Tobeltales. Dort bewirkt Warmluft, die von den
stark bestrahlten Südhängen aufsteigt, zusammen mit einer intensiveren
Sonneneinstrahlung eine besonders hohe Wärmebegünstigung und eine
stärkere Austrocknung. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt am Oberrand
 des Tobeltales (700 m über N.N.) ca. 7°C. Im Juli liegt die mittlere
Lufttemperatur dort bei 16 °C und im Januar bei -1 °C bis -2 °C. Die mittlere
 Niederschlagssumme beträgt im Gebiet des Tobeltales im Jahr ca.
950 mm und in der Vegetationsperiode von Mai-Juli ca. 300 mm (vgl. Klimaatlas
 von Baden-Württemberg 1953).
Hieracium lycopifolium wächst in einem lichten, kleinräumigen, xerothermen
 Eichenwald (Quercetalia pubescenti — petraeae Klika 33 corr. Moravec
 in Beguin et Theurillat 84) mit fließenden Übergängen zum trockenen
 Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchen-Wald (Galio sylvaticı — Carpinetum
Oberd. 57, Subassoziation mit Primula veris Tx.). Dieser Eichenwald
stockt auf dem S-SSW-exponierten Feldkopf eines Tobelfelsens. Das Vorkommen
 von H. Iycopifolium erstreckt sich von dort bis in den relativ

Ih. Ges. Naturkde. Württ. 152 (1996)
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.