Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 152, 1996)

Jh. Ges. Naturkde. Württemberg

152. Jahrgang | Stuttgart, 15. Dezember 1996

Aktuelle Beiträge

Der Roraima und seine Pflanzenwelt

Von ULRICH KULL, Stuttgart

Mit 14 Farbbildern auf 4 Tafeln* und 7 Schwarzweiß-Abbildungen

Der als (Mount) Roraima bezeichnete Berg liegt im Südosten Venezuelas
im Hochland von Guayana, das durch eine große Zahl isolierter Tafelberge
charakterisiert ist. Diese nennt man üblicherweise mit dem indianischen
Wort „Tepuis“. Der Roraima ist der größte Tepui im Osten der Gran Sabana
 genannten, stark zertalten Hochebene, die als Teil des Guayana-Schildes
 den südlichen Bereich des venezolanischen Bundesstaates Estado Bolivar
 einnimmt. Ungefähr 30 000 km? dieser Gran Sabana sind heute als
„Canaima Nationalpark“ ausgewiesen. Im Gegensatz zu seinen Nachbarbergen
 wird der Roraima üblicherweise nicht als Tepui benannt, obwohl er
nach seinem Aufbau und seiner Vegetation ein typischer Tafelberg ist. Dies
hängt wohl damit zusammen, daß er schon früh bekannt wurde und als
Grenzmarke zwischen Venezuela, Brasilien und Britisch Guiana diente. Das
Dreiländereck im nördlichen Teil des Gipfelplateaus wurde zuletzt 1976
genau eingemessen. Der Grenzstein (Abb. 1) auf einer Höhe von 2723 m
liegt bei 5° 12’8,6”N und 60° 44’7,5” W. Die Gebiete der drei Staaten wurden
 in diesem Areal im 19. Jahrhundert aufgrund der Flußgebiete festgelegt:
 vom Roraima fließt Wasser zum Orinoco (über Rio Arabopo und Rio
Kukenan; dies entspricht dem venezolanischen Anteil), zum Amazonas
(über Rio Cotinga — brasilianischer Anteil) und zum Rio Waruma (Anteil
von Britisch Guiana; heute von Venezuela beansprucht, daher „zona en
reclamacion“). Das Gipfelplateau erstreckt sich über etwa 65 km* in Höhen
 von etwa 2600 bis 2810 m. Der Roraima gehört damit zu den höchsten
Tepuis (nur der Cerro de la Neblina erreicht eine erheblich größere Höhe)
und ist infolge der Lage im Osten der Gran Sabana in besonderem Maße
den Passatwinden ausgesetzt, die sehr viel Feuchtigkeit mitbringen und
gleichzeitig niedere Temperaturen bedingen.
Die ersten wissenschaftlichen Reisen in dieses Gebiet führten 1838 Ro-BERT
 SCHOMBURGK und 1842 dieser zusammen mit seinem Jüngeren Bruder
 RıcHARD durch. Sie erhielten von den Indianern die Auskunft, der
Berg heiße Ru-ru-ima (Mutter der Gewässer). Etwa 40 Jahre später war
der Roraima, wie er dann auf Karten genannt wurde, der erste Tepui, dessen
 Besteigung gelang. Dadurch verbreitete sich die Kunde von diesem
merkwürdigen Berg auch in Europa, insbesondere zunächst in Großbritan-%



Gestiftet vom Autor.

Ih. Ges. Naturkde. Württ. 152 (1996)
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.