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HELMUT BAUMANN und WoLFRAM WAHRENBURG
Die Spalte 1 dokumentiert ein Vorkommen von Myosurus minimus auf
einem stellenweise feuchten Acker südöstlich von Schönaich. Die Fläche
wurde eher extensiv bewirtschaftet, Herbizide nicht verwendet, so daß sich
in dem (im Winter und Frühjahr 1994) recht lückigen Weizenbestand auf
größeren Flächen eine arten- und individuenreiche Ackerflora entwickeln
konnte. Das Mäuseschwänzchen wuchs hier in der Echten Kamillen-Gesellschaft
(Alchemillo arvensis — Matricarietum chamomillae Tx. 1937 em.
Oberd. 1958), einer Ackerunkrautgesellschaft auf kalkarmen Substraten,
die durch Verarmung der Arten- und Ausbildungsvielfalt gefährdet ist (Hor-MEISTER
U. GRAVE 1986). Myosurus, der eigentlich Kennart einer Flutrasengesellschaft
ist (OBERDORFER 1983, PruLipPı 1983), kennzeichnet hier eine
krumenfeuchte Variante der Kamillen-Gesellschaft (OBERDORFER 1983).
Die Spalten 2-5 der Tabelle 1 sind Aufnahme aus der Sandmohn-Gesellschaft
(Papaveretum argemone [Libb. 1932] Krus. et Vlieg. 1939), wenngleich
die namengebende Art Papaver argemone nur auf einer der drei Aufnahmeflächen
sicher angesprochen werden konnte. Veronica triphyllos als
zweite Assoziationskennart kam in allen von uns aufgenommenen Beständen
vor, ebenso Arabidopsis thaliana. Über die Verbands-Charakterarten
lassen sich die drei Bestände als Sandmohn-Gesellschaft ansprechen. Papaver
argemone und Veronica triphyllos kamen allerdings auf sandigen Lehmböden
am Tübinger Spitzberg auch in einer Subassoziation des Caucalido-Adonidetum
Tx. 1950 vor (Görs 1966: Tab. 3). HOFMEISTER u. GRAVE
(1986) stufen die Sandmohn-Gesellschaft bezogen auf die alten Bundesländer
als gefährdet ein. Bezogen auf die Sandgebiete südwestlich von Stuttgart
ist die Gesellschaft sicher sogar stark gefährdet, zumal sie an den Fundorten
westlich von Schönaich nur durch das zeitweise Ausweichen auf einen Rain
überlebt haben dürfte und die beiden größten beobachteten Vorkommen —
östlich von Schönaich und bei Musberg — auf sehr kleinen, extensiv genutzten
Parzellen (in der winterlichen Brache vor der späten Bestellung im Frühjahr)
lagen.
Die Artenliste in Spalte 6 wurde auf einem kleinflächigen Acker eines
Hobby-Landwirts bei Breitenstein im Rahmen des Ackerrandstreifenprogramms
des Landkreises Böblingen erstellt (WAHRENBURG 1989). Der Großteil
dieses Ackers ist mittlerweile als Garten angelegt worden, Spergula arvensis
und Trifolium arvense wurden dort seither nicht mehr beobachtet
(Spergula zuletzt ca. 1995).
Die Aufnahme in Spalte 7 entstand 1996 am Südrand der Autobahn-Großbaustelle
SSW von Leonberg am Fuße eines Erdwalls aus zusammengeschobenem
Oberboden (WAHRENBURG, Mskr.). Bemerkenswert war das
zahlreiche Vorkommen von Trifolium arvense und ein einzelnes Exemplar
des im Landkreis verschollenen Misopates orontium, das dort wohl nicht
zur Fruchtreife gelangen konnte, da der Bereich mit der angrenzenden Wiese
zusammen abgemäht wurde. Trifolium arvense hat sich mittlerweile
(1998) mit einzelnen Exemplaren auch auf die nahe Böschung des Autobahn-Einschnittes
ausbreiten können, deren Bewuchs noch ausgesprochen
lückig ist.
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 155 (1999