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HELMUT BAUMANN und WOLFRAM WAHRENBURG
zeichnung Coronopus. Die weiteren von DIERBACH (l.c.) angeführten Quellen
wie Dopoens (1616: 112), Lonıcer 1783: 388) und THEoDoR (1706:
552) stellen Spätauflagen dieser Autoren dar, die für die Abbildungsgeschichte
wichtige Hinweise liefern.
Nach unserer Überprüfung findet sich die früheste eindeutige Abbildung
verbunden mit der ersten Beschreibung allerdings schon bei DopDoEns
(1553: 116, Abb. 1) unter dem brabantischen Namen „Muyse steertkens“,
dem griechischen „Myosouron“ und dem lateinischen „Cauda murina“.
Auch Dopoens hatte bemerkt, daß seine Pflanze zum damaligen Zeitpunkt
neu war, denn er vermerkt den Zusatz: „Recentiorum inventum“ (Übersetzt:
vor kurzem neu entdeckt). Fast gleichzeitig findet sich ein weiterer Abdruck
vom originalen Holzstock (DopDoEns 1554: Dat Jerste deel: 115), wobei der
Zusatz über die Neuentdeckung bereits fehlt. Der griechische Name Myosouron
setzt sich nach SmitH (1972: 224) aus Mus (Maus) und oura
(Schwanz) zusammen. Die deutsche Übersetzung „Mäußchwäntzlein“ wurde
dann von THEODOR (1588: 679) eingeführt, heute hat sich der Name
„Mäuseschwänzchen“ eingebürgert, Die charakteristische Form der Blütenund
Fruchtähren dienten also zur Namensgebung in niederländischer, griechischer
und lateinischer Sprache. Weitere 2 Jahre später findet sich ein neuer
Holzschnitt bei Lonıcer (1551: 18) unter der lateinischen Bezeichnung
„Holosteon“ und den deutschen Namen „Hundszan/Tausentkorn“. Diese
Vorlage findet sich später als Nachschnitt bei DALECHAMPS (1586: 1189,
oben) unter der Bezeichnung „Holostion Loniceri“ mit einigen neu zugefügten
Detailzeichnungen (2 Fruchtstände, 2 Insekten). Bei L’oseL (1576:
241, oben links) wurde erstaunlicherweise nicht der für die vAN DER LOE-Werkstatt
bereits angefertigte Holzstock von DonDoens (1553: 116) verwendet,
sondern es wurde eine neue Vorlage geschaffen, bei der aber wichtige
botanische Details (Blätter, Blüten) falsch sind. Weitere Nachschnitte davon
finden sich bei J. BAUHIN & al. (1651 [Bd. 2]: 512). Sie diente dann möglicherweise
auch als Zeichenvorlage bei THEODOR (1588: 679; 1590: 241,
links). In diesen Fällen handelt es sich allerdings nicht um einen reinen
Nachschnitt, sondern eher um eine „Komposition“, bei der viele Veränderungen
vorgenommen wurden. Während die üppige Rosette noch eine gewisse
Ähnlichkeit mit der L’oseL’schen Vorlage zeigt und die Veränderungen
im wesentlichen nur die Anzahl der Blätter betrifft, wurde bei 2 Blütenähren
durch das Hinzufügen vieler herausragender Staubfäden (bei Myosurus minimus
L. steht am Grunde der Ähre nur eine einzelne radiäre Blüte, die 5
hellgrüne Perigonblätter und 5-10 Staubblätter besitzt) eine neue Pflanze
„entwickelt“, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Vertretern der Gattung Plantago
(vgl. FucHs 1534: Tafel XXI und L’oseL 1576: 162-163) aufweist.
Auch weitere bei THEODOR (1588: 679) genannte Merkmale wie „weisse
Blümlein, braunschwartzes Sämlein, wächst auf truckenen Wiesen und
graßechten Orten ...“ passen eher zu einem Vertreter der Gattung Plantago.
Da er jedoch bei den „Krähenfüssen“ fünf verschiedene Geschlechter beschreibt
(1588: 377) und auch abbildet (1588: 375-377; 1590: 375-377),
kann man davon ausgehen, daß er das Mäuseschwänzchen aus dem Raum
Heidelberg-Speyer-Worms gekannt hat und auch weil er als Wuchsorte
Ih. Ges. Naturkde. Württ. 155 (1999)