Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 121, 1966)

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WALTER CARLE

ihrem Fundament verdrängten Massen sind beidseits wulstig emporgedrungen
 und haben den Behälterboden gehoben, wobei die gesetzmäßig zu erwartenden
 Scheitelrisse in beiden langgestreckten Wülsten aufklafften.
Wie sind diese Bewegungen ausgelöst worden? Zunächst muß man infolge
 der fast exakten Ortsgleichheit von Deckenriß und Verwerfung in der
Tat annehmen, daß letztere irgendwie ursächlich beteiligt ist. Auf Grund
tausendfacher Erfahrung muß ein Wiederaufleben tektonischer Bewegungen
 außer Betracht bleiben, da auch bei sehr starken Erdbeben in Süddeutschland
 keine Schollenbewegungen nachgewiesen werden konnten. Angesichts
 des wenig geböschten Hanges und der sehr tiefen Fundierung des
Behälters sind auch Hangrutschungen auszuschließen. Es bleiben also nur
Ursachen übrig, die mit der verschiedenen Tiefenlage des Gesteinskörpers
and mit den bodenmechanischen Verschiedenheiten der beiden durch die
Verwerfung getrennten Gesteinsarten zusammenhängen können.
Ursprünglich dürften die bodenmechanischen Eigenschaften der beiden
am Baugrund beteiligten Schichten recht ähnlich sein; es sind in beiden
Fällen blättrig aufwitternde Tonmergel und Tonsteine. Möglicherweise besitzen
 die Tonmergel der Unteren Bunten Mergel eine etwas geringere
Steifigkeit als die Grauen Estherienschichten. Naturgemäß sind auch die talseitig
 liegenden Schichten stärker aufgewittert als die bergseitigen. Dieser
Unterschied wird dadurch noch größer, daß der rückwärtige Gesteinsteil am
aufsteigenden Hang eine höhere Vorbelastung erlitten hatte. Dagegen ist
im vorderen Teil die Belastung durch das Bauwerk höher, weil zum Rundbehälter
 das Schieberhaus hinzutritt. Da es sich aber bei dem bislang noch
ungefüllten Behälter um ein relativ leichtes Bauwerk handelt, so daß die
zusätzliche Bodenpressung nur etwa lkp/cm?* beträgt, ergab sich nach
überschlägiger Berechnung eine so geringe Setzungsdifferenz beider Bauteile,
 daß die unterschiedlichen Bewegungen von dem ausreichend bewehrten
 Bauwerk aufgenommen werden müßten.
Nun steht der Wasserbehälter auf einem nach Süden exponierten Hang.
Er wurde im März 1964 bei sehr feuchtem Wetter erstellt, war aber im
Sommer der extrem starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Daher dürfte
der Untergrund durch Austrocknung geschrumpft sein, in den oberflächennahen
 Teilen stärker als in den tieferliegenden. Die mit einer wenig durchlässigen
 Reibungsbrekzie belegte Verwerfung könnte ein kapillares Auswandern
 des Porenwassers aus der tektonisch höheren, bergseitig gelegenen
Scholle sehr vermindert haben. Auf diese Weise könnte wenigstens für die
Zeit der großen Hitze im Trockenjahr 1964 eine plötzliche Änderung der
bodenmechanischen Eigenschaften des Baugrundes eingetreten sein. Der talwärtige
 Teil dürfte sich durch Schrumpfung gesenkt haben.
            
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