Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 121, 1966)

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Ergebnisse neuerer Untersuchungen im Steinheimer Becken
(Württemberg)

Von P. GroscHorF und W. Reırr, Stuttgart

Das Becken von Steinheim am Albuch hat die Naturwissenschaftler seit
Beginn des 18. Jahrhunderts beschäftigt. Frühzeitig wurden die zahlreichen
Besonderheiten in der äußeren Gestalt und Fossilführung, Gesteinsausbildung
 und Lagerung erkannt. Generationen von Paläontologen und Geologen
 bemühten sich, die Entstehung dieses Fremdkörpers auf der Albhochfläche
 zu erklären. Tektonischen Erklärungsversuchen war keine lange Lebensdauer
 beschieden, da sie mit den Befunden im Gelände nicht in Einklang
 zu bringen waren. Dagegen konnte sich die Anschauung, daß das
Steinheimer Becken vulkanischen Ereignissen seine Entstehung verdankt,
durchsetzen. Da bis heute jedoch kein vulkanisches Gestein gefunden wurde
und auch die vom Vulkanismus der Mittleren Alb bekannten Tuffbrekzien
fehlen, sprach man von Kryptovulkanismus. Auffallend waren aber die
Parallelen zum Nördlinger Ries, dessen vulkanische Entstehung auf Grund
des Suevits als bewiesen angesehen wurde.
ROHLEDER (1934) und STuTZzER (1937) verglichen als erste das Steinheimer
Becken mit dem Meteorkrater von Arizona und versuchten dieses ebenfalls als
Meteoreinschlagskrater zu deuten. Da auch ihnen ein schlüssiger Beweis
nicht gelang, blieb es bei der Ansicht der vulkanischen Entstehung. Letztere
wurde vor allem durch Kranz gestützt, der zu seiner Zeit zweifellos als der
beste Kenner des Steinheimer Beckens gelten konnte. KRAnz war durch einen
Modellversuch, den PEncx angeregt hatte, zu der Deutung gekommen, daß
als erstes eine Wasserdampfexplosion in den Grundwasserhorizonten an der
Grenze des Weißen Juras o/ß oder y/ö stattfand, die das Becken aussprengte.
Eine zweite Explosion durch vulkanische Gase wäre einige Zeit danach im
Lias @ erfolgt. Letztere hätte das Herausheben des Steinhirt-Klosterbergs
zur Folge gehabt.
Diese Theorie erscheint auf den ersten Blick bestechend, doch ergeben sich
bei näherer Betrachtung erhebliche Zweifel, z. B. ob eine so starke Aufheizung
 des Grundwassers und eine entsprechende Spannung des Wasserdampfes
 überhaupt möglich wäre und ob dabei die freiwerdenden Energien
für die Größe dieser Explosion ausreichen würden.
Auch die von den Verfassern seit mehr als einem Jahrzehnt angestellten
Beobachtungen im Gelände reichten nicht aus, die Widersprüche der Kranzschen
 Theorie zu klären. Die Ergebnisse refraktionsseismischer Untersuchungen,
 die 1953 das Niedersächsische Amt für Bodenforschung in Hannover
ausführen ließ, wurden von BENTZ (1964, S. 704-705) als Bestätigung einer
kryptovulkanischen Entstehung des Beckens aufgefaßt.
            
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