Ergebnisse neuerer Untersuchungen in Steinheimer Becken 167
Mineralogische Untersuchungen, die im Nördlinger Ries wesentliche Beiträge
zugunsten einer Entstehung durch Meteoriteneinschlag lieferten, sind
in Steinheim erst angelaufen, hatten aber auf Anhieb schon ein sehr bedeutsames
Ergebnis. Herr Prof. von ENGELHARDT, Tübingen, der in seinem
Institut entgegenkommenderweise unsere Bohrproben untersuchte, schreibt
uns (26. 10. 1966): „...In einigen der Proben kommen Quarze mit sog.
„planaren Elementen“ vor, wie wir sie bisher nur von sicheren und
vermuteten Meteoritenkratern sowie von Versuchen mit Stoßwellen
mit Spitzendrucken von einigen hundert Kilobar kennen. Besonders zahlreich
sind diese Quarze in der Probe aus der primären Beckenbrekzie (Bohrung
1, 53-57 m Tiefe). Einer meiner Mitarbeiter, der die planaren Elemente
in Quarzen des Ries zur Zeit genauer untersucht, hat die Art der
Flächen in den Steinheimer Proben genau vermessen. Soweit ich bisher
feststellen konnte, handelt es sich im wesentlichen um (1013) und (0001).
welche Flächen auch im Ries am häufigsten vorkommen... .“
Wägen wir die verschiedenen Argumente zusammenfassend gegeneinander
ab, so ist der Meteoritentheorie der Vorzug zu geben, obwohl
letzte Beweise auch uns bislang noch fehlen. Zur Lösung der Rätsel um
Steinheim konnten wir zwar einige neue Erkenntnisse beisteuern, doch steht
die endgültige Lösung noch aus. Der einzuschlagende Weg zueichnet
sich aber klar ab. Durch eine Bohrung bis in rund 500 m Tiefe, wie sie auch
schon von früheren Geologen gefordert wurde, könnten die Hauptprobleme
gelöst werden. In dieser Tiefe muß der Lias bereits durchteuft sein. Ist dieser
tatsächlich ungestört vorhanden, dann wird eine Entstehung durch Vulkanismus
ausgeschlossen. Ein Meteoriteneinschlag ist andererseits unwahrscheinlich,
wenn in dieser Tiefe Gesteine aus tieferen Schichten, wie verlagerter
Keuper oder gar veränderte Gesteine angetroffen werden.
Zur weiteren Erforschung der Gestalt des Beckens und der Beckensedimente
sowie zur Vorbereitung einer Tiefbohrung sind weitere Aufschlußbohrungen
und die Fortführung des seismischen Meßprogramms dringend
erwünscht. Die Tiefbohrung wird auch bei größtem Optimismus vorerst
wohl nicht verwirklicht werden können. Dagegen hoffen wir, daß wenigstens
die Vorarbeiten durchgeführt werden können.
Zusammenfassung
Es wurden Bohrungen und kleinseismische Messungen aus dem Steinheimer
Becken beschrieben, aus denen der tiefere Aufbau und die Beckensedimente zu
erkennen sind. Eine erste, bisher nicht bekannte Beckenfüllung wurde gefunden
und „Primäre Beckenbrekzie“ benannt. In Tiefen bis zu 100 m wurde außerhalb
des Zentralkegels anstehender Weißjurakalk festgestellt, der den Beckenboden
bildet. In Bohrproben wurden Quarze mit „planaren Elementen“ gefunden, wie
sie bis jetzt nur von sicheren Meteoritenkratern bekannt sind. Die Frage der Entstehung
durch Kryptovulkanismus oder Meteoriteneinschlag wurde diskutiert.
Schrifttum
BAYOR, M.: Zur Geochemie der tertiären Süßwasserablagerungen des Steinheimer
Beckens, Steinheim am Albuch (Württemberg). — Jh. geol. Landesamt Ba-