Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 121, 1966)

Schichtlagerung auf Blatt Reutlingen

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4. Das Alter der Verwerfungen und Zusammenhänge zwischen Tektonik
und Albvulkanismus
Das Alter der Verwerfungen ist nicht festzulegen, da tertiäre Sedimente
fehlen, Die Frage nach der gegenseitigen Abhängigkeit des Albvulkanismus
und der Tektonik wird immer wieder aufgeworfen und verschieden beantwortet.
 Auf den geschichtlichen Abriß dieser Streitfrage sei verzichtet. Aus
der Schichtablagerungskarte (siehe Abb. l) geht hervor, daß die Vulkanschlote
 ungleichmäßig verteilt sind und mit der Entfernung vom Zentrum
der Uracher Mulde stetig abnehmen. Die Uracher Mulde ist dort am tiefsten,
wo sich die rheinisch gerichtete tektonische Zone Zwiefalten-Urach (als
Teilstück des Hegau-Heldburg-Lineaments, CARLE (1952, 14; 1955, 108,
198), mit der schwäbisch verlaufenden Filstalmulde vergittert (HÜTTNER
1952, GWINNER 1959, 101).
Die auffällige Übereinstimmung der Lage des Vulkangebietes mit der
Uracher Mulde legt die Annahme nahe, daß zwischen tektonischen und vulkanischen
 Erscheinungen Wechselbeziehungen bestehen. Nach GwINNER
‘1961, 33) ergeben sich zwei gegensätzliche Möglichkeiten der Deutung:
War der Ausbruch der Vulkane durch tektonische Struktur bedingt, war also
die Mulde schon vor den vulkanischen Ausbrüchen des Obermiozäns wenigstens
 in ihren Anlagen vorhanden? Oder ist die Einsenkung die Folge des
Vulkanismus? Zunächst soll die erste Deutung erörtert werden. GWINNER
(1961,31) hat die Möglichkeit überprüft, ob die Uracher Mulde synsedimentär
 entstanden sei. Er kam zu dem Ergebnis, daß man kaum eine synsedimentäre
 Entstehung der Uracher Mulde annehmen darf und eher eine allgemeine
 Absenkung der ganzen mittleren Alb zur Jurazeit möglich wäre.
Da aber alle Juraschichten im Uracher Gebiet eingemuldet sind, müssen sich
die dazuführenden Vorgänge ohne Zweifel postjurasisch abgespielt haben
‘GwIinnEr 1961, 81).
Die Lage der Vulkanschlote zeigt kaum eine Abhängigkeit von der oberflächlich
 sichtbaren Tektonik. Denn wie aus der Schichtlagerungskarte (siehe
Abb. 1) zu ersehen ist, liegt die Mehrzahl der Vulkane außerhalb von tektonischen
 Störungen des Deckgebirges. Wahrscheinlich haben also diese
Verwerfungen im Deckgebirge nicht als Aufstiegeswege für die Tuffe gedient.
 Nach GwInner (1961, 23) sollen einige an der Teckstörung aufgereihte
Ausbruchröhren meist neben und nicht an der Verwerfung liegen. In einigen
Aufschlüssen der Vulkanschlotwände kann man erkennen, daß die Ausbrüche
 entlang von Klüften erfolgten (CLoos 1941, 771). Z.B. weist der
Basaltgang von Grabstätten (Blatt Dettingen/Erms) auf Aufstiegswege hin,
welche durch die Zerklüftung der Gesteine vorgezeichnet waren (GWINNER
1961, 33).
Bei der Konstruktion der magnetischen Isanomalen kommt MÄUSSNEST
(1956, 49) zu dem Ergebnis, daß einige davon Vorzugsrichtungen aufweisen.
Die rheinische Richtung steht dabei an erster Stelle, untergeordnet tritt die
herzynische und endlich die variscische in Erscheinung. Die rheinische Tektonik
 ist also im Untergrund besonders stark vertreten.
            
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