Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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werden und es herrschen überhaupt über die Stammesracen 
derselben sehr getheilte Ansichten, nämlich ob sie blos von einer 
Hauptrace, oder, nach der Verschiedenheit der Gegenden, von 
mehreren Hauptracen abstammen. Bei dem Pferde scheint blos 
eine Hauptrace angenommen werden zu dürfen, indem man in 
den noch heut zu Tage aufgefundenen wilden Pferden und in 
den aus dem zahmen Zustande wieder verwilderten‘ Pferden das 
Bild erkennen will, das man sich von dem ursprünglich wilden 
Pferde entwirft. . Das ursprünglich wilde Pferd, der | mulhmass- 
liche Stammvater des unserigen, soll der herrschenden Ansicht 
zu Folge klein, von unansehnlicher Statur und seinem, Gattungs- 
verwandten, dem Esel, gleich gewesen seyn. Durch die Zäh- 
mung und Verwendung zum Dienste des Menschen mochte es 
sich erst allmählig aus diesem Zustande der Rohheit erhoben 
haben, was jedoch gewiss nur sehr langsam von Statien gieng, 
indem das Pferd bei dem Nomadenleben der damaligen Menschen 
ausser der Zeit seiner Dienstverwendung noch immer in einem 
Zustande natürlicher Freiheit lebte und hiebei keinen Anlass zu 
erheblicher Gestaltsveränderung fand. Erst in spätern Zeiten, 
wo das Pferd durch die Kultur der menschlichen Gesellschaft 
diesem freien Naturzustande mehr entfremdet wurde, änderte es 
seine natürliche Gestalt und gewann, je nach den Anforderungen 
einer vielseitigen Dienstverwendung veränderte Form und Eigen- 
schaften, und auffallende Verschiedenheit von seinem frühern Zu- 
stande, In den verschiedenen Zeiten bildeten sich durch die Ein- 
flüsse einer mehr künstlichen Züchtung, vielseiligern Dienstyver- 
wendung, veränderter Wartung und Verpflegung und Versetzung 
in fremde Gegenden und die daselbst hervortretenden klimatischen 
Verhältnisse auch verschiedene Pferdearten, die sich nicht nur 
yon. der Stammesrace, sondern auch unter sich wesentlich unter- 
schieden. Die Pferdearten mochten sich in frühern Zeiten wohl 
mehr rein erhalten haben, indem die Völkerschaften mehr für 
sich abgeschlossen lebten, ihre Nationalität nicht blos im geselligen 
Verkehre und in den Sitten und Gebräuchen, sondern auch in 
dem Betriebe ihrer Thierzucht, in der ganzen Behandlung ihrer 
Thiere und namentlich in der Dienstverwendung der Pferde be- 
wahrten, daher einfachere aber bestimmtere Anforderungen an die 
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