Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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hauptsächlich in den veränderten Anforderungen an die Dienst- 
leistungen der Pferde begründet. Während in frühern Zeiten die 
Pferde hauptsächlich nach ihren Leistungen im Reitdienste beur- 
theilt wurden, so treten in den Leistungen unseres heutigen 
Pferdes früher nie geahnte Anforderungen hervor, die sich auf 
möglichst gesteigerte Kraft und Schnelligkeit im Wagendienste 
beziehen, ohne dass bei der beschränktern Züchtungsweise Ge- 
legenheit für die Entwicklung und Ausbildung der hiefür nöthigen 
Eigenschaften gegeben wäre. 
Jede Pferderace besitzt‘ gewisse Eigenthümlichkeiten , ' durch 
welche sie sich wesentlich von andern Racgen unterscheidet; diese 
Raceeigenthümlichkeiten , Racezeichen, beziehen sich vorzugsweise 
auf äussere Form und gewisse Eigenschaften in Befähigung Zu 
besondern Diensten. Diese Raceeigenthümlichkeiten, Raceformen 
und Raceeigenschaften bilden einen gewissen Typus der Racen, 
der allen einzelnen Gliedern derselben zukommt, und sich, bei 
grosser Originalität der Racen, selbst noch in der Kreuzung mit 
andern Pferdearten forterhält, so dass er sich erst bei fortge- 
setzter Vermischung der Pferdearten allmählig verliert. Die Race- 
zeichen beziehen sich auf alle Körpertheile , welche in solcher, 
vom gewöhnlichen Stande abweichender, Beschaffenheit eine‘ aus- 
schliessliche Befähigung zu gewissen Dienstleistungen bedingen, 
und welche sich schon längst in der Zucht als Stammeseigen- 
schaften festgestellt haben ; dagegen gelten blos zufällige Aeusser- 
lichkeiten, die sich blos bei einzelnen Gliedern einer Pferdezucht 
vorfinden und nicht constant auf die Nachzucht vererben , nicht 
als Racezeichen. 
Bei der Eintheilung der Pferderacen hat man schon sehr ver- 
schiedenartige Momente, als die ausschliessliche Befähigung zu 
gewissen Dienstleistungen, die grössere oder geringere Constanz 
der Zucht, die änssere Gestalt u. s. w. zu Grunde gelegt. Am 
natürlichsten dürften aber die Züge des ursprünglichen Typus 
und dessen Vervollkommnung zu möglichst umfassender Dienst- 
tauglichkeit zu Grunde gelegt werden. Nach diesem Eintheilungs- 
Grunde zerfielen die Pferde-Racen in folgende drei Haupt-Abthei- 
lungen, 1) Pferderagen, welche dem ursprünglich wilden Pferde, 
dem allgemeinen‘ Stammyvater‘ des*Pferdegeschlechtes ähnlich sind,
	        

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