Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

einemal so, das anderemal wieder in einer ganz andern Rei- 
henfolge unter und über einander gestürtzt findet, dass das Con- 
glomerat von Neckargeschieben und das Gemenge von Sandstei- 
nen, Mergeku. s. w., auf Anhöhen von 80‘ über dem Neckar, 
und der Sauerwasserkalk im Stuttgarter Thale in einer Höhe von 
137‘ vorkommt, dass sich auf einer kleinen Strecke so viele 
Thier- und Pflanzenreste zerstreut herum befinden und in der 
Tiefe eine enorme, unerschöpfliche Wassermasse von einer sich 
stets gleichbleibenden Temperatur, zwischen 13 und 16° R. 
somit von einer unerschöpflichen unterirdischen Wärmeerzeugung; 
wenn man ferner das bedenkt, dass auf der Anhöhe vorm Rosen- 
stein ein kleiner Wald begraben liegt, dass man in einem Bohr- 
loch unter dem Conglomerat einen ganzen Baumstamm durch- 
bohrt hat, dass ferner von den Anhöhen hinter Stuttgart und den 
Fildern die vielen Sandsteine , zum. Theil in Massen von mehrern 
Centinern im Stuttgarter Thale und auf der Anhöhe hinter Berg, 
sowie auf dem Rosenstein etwas abgerundet begraben liegen, selbst 
Nagelkalk und Ammonitenstücke aus dem Lias von den Fildern, 
so geht aus allem Diesem hervor, dass 
1. das Stuttgarter und Canstatter Thal von Untertürkheim bis 
unterhalb Münster zu dem dortigen Muschelkalk mit Wasser muss 
bedeckt gewesen sein, einen See muss gebildet haben, dessen 
Damm der Muschelkalk bildete; dass 
2. bedeutende Fluthen von den Fildern her in das Stuttgarter 
Thal müssen eingebrochen sein, um die bedeutenden Massen von 
Sandsteinen in dem Stuttgarter Thale und auf den Anhöhen des 
Rosensteins und hinter Berg abzusetzen und die bedeutenden 
Holzstämme auf dem Rosenstein anzuschwemmen ; dass ferner 
3. durch bedeutende Hebungen und Senkungen auch bedeu- 
tende Einstürze müssen statt gefunden haben, dass durch diese 
der Muschelkalkdamm gebrochen wurde, dadurch der See seinen 
Ablauf fand und die verschiedenen Diluvial-Gebilde, die sich auch 
an seinen Ufern angelagert halten und nun auf unsern Anhö- 
hen anstehen, zurückgelassen habe, und dass endlich diese 
Catastrophe die letzte vor der Bildung unserer gegenwärtigen 
Thier- und Pflanzenwelt war. 
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