Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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bei der grössten Aufmerksamkeit und Vorsicht eine stets gleiche 
Temperatur zu erhalten, was doch‘ so wohlthätig für die Pflanzen 
ist. Ich halte es auch in öconomischer Beziehung für einen 
grossen Gewinn, weil eine Einrichtung, um natürlich warmes 
Wasser durch ein Gewächshaus zu leiten, weniger als eine Heit- 
zungseinrichtung kostet, weil man ferner kein Brenn-Material, 
keine Nachtwachen u. s. w. nölhig hat, und weil ein solch er- 
wärmtes Haus nie zu warm und zu kalt werden kann auch die 
Möglichkeit abgeschnitten ist, dass die Erwärmung unterbrochen 
werde, wie bei einer Heitzeinrichtung mit künstlicher Wärme, 
wenn an derselben ein Schaden entsteht, der nicht schnell wieder 
ausgebessert werden kann; endlich ist auch der Fall abgeschnit- 
ten, dass durch die Nachlässigkeit des Heitzers bei strenger Kälte 
durch unmässiges Heitzen die Pflanzen verbrennen oder durch 
Unterlassung erfrieren, und dass bei unserem öfters so schnellen 
Temperaturwechsel, wo Abends der Thermometer einige Grade 
über 0 haben und in der Nacht auf 10 und mehr Grade unter 
0 fallen kann, bei einer Heitzung mit künstlicher Wärme die 
Pflanzen Noth leiden können. 
Endlich behaupte ich noch, dass man mit Thermen von 30 
und viel mehr Grad Wärme, wie die Quellen vom Wildbad, 
noch mehr aber von Baden-Baden, Wiesbaden, Gastein u. s. w. 
nicht blos Frühbeete und kalte Gewächshäuser. sondern auch 
Treibkästen, warme Gewächshäuser und selbst Wohnungen und 
andere Gelasse ohne alles Brennmaterial gehörig erwärmen kann. 
Bemerkung. Es ist bekannt, dass in Paris u. a, 0, mittelst des 
sogen, Thermosiphon, eines Wärmeapparats mit siedendem Wasser, die 
Erde in Treibhäusern und Frühbeeten in der Art erwärmt wird, dass das 
heisse Wasser hier die Stelle des gährenden Düngers vertritt, Die zuneh- 
mende Erzeugung von Agaricus edulis in Paris, welche aus Anlass der durch 
den Festungsbau eröffneten Steinbrüche ins Unglaubliche zugenommen hat, 
entzog dem Gemüsebau den Pferdedünger, daher man auf jene Treibmethode 
mit künstlich erwärmtem Wasser verfiel. Nur ist hier, wie schon der Name 
des Apparats „Thermosiphon“ mit sich bringt, das heisse Wasser in Röhren 
eingeschlossen, worin es circulirt, es kann daher nicht mit seinen Dämpfen 
auf die Erde und die Pflanzen unmittelbar wirken, auch wirkt keine Kohlen- 
säure auf letztere ein, Die in Vorstehendem beschriebene Methode ist daher 
schon um ihrer Einfachheit und Wohlfeilheit, dann aber um ihrer besseren 
Wirksamkeit und grösseren Sicherheit willen der französischen Methode weit 
vorzuziehen und verdient alle Beachtung und Nachahmung von Seiten der 
Horticulturisten, A,:d,; /R.
	        

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