Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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Die Schweine‘ dagegen verzehrten‘ von Mitte September‘ bis 
Anfangs December täglich im Durchschnitt 3 halbe Vierling (von 
circa 9—10 Pfund) rohe Kartoffeln und erhielten daneben 1 Vierling 
Kleie, nebst Wasser; beide Thiere blieben nicht nur gesund, 
sondern‘ nahmen auch während jener Zeit um mehr als das Dop- 
pelte ihres Gewichts‘ zu (nämlich von 48 auf 107 und von 58 
auf 116 Pfund, lebend Gewicht). Es ist hiebei zu bemerken, 
dass die Thiere’ anfangs nach und‘ nach an’ die Fütterung mit 
rohen Kartoffeln gewöhnt wurden, und dass sie in der letzten 
Zeit als die Kartoffeln zu Ende gegangen waren,’ noch einige‘ Zeit 
Haber erhalten haben; auch wurde versucht ihnen nur die kranken 
Bestandtheile der Kartoffeln zu geben, welche sie aber’ roh nicht 
fressen wollten, dagegen gekocht ohne Nachtheil‘ genossen: 
Die zu‘ diesem Versuche verwendeten‘ Kartoffeln (ungefähr 
30 Simri) waren grösstentheils aus der'Umgebung von Stuttgart, 
zum Theil aus höheren Lagen’ und’ in verschiedenem Boden gezo- 
gen z. B. aus den sogenannten Sandäckern im Stöckach, vom 
Azenberg, Schellenberg, aus den Steubenäckern (Markung Gablen- 
berg), beim Pulverthurm u, dgl. Der grösste Theil war auf den 
Aeckern gesammelt worden, wo die Eigenthümer sie als unbrauch- 
bar hatten liegen lassen. Sie waren noch fest, innen mehr oder 
weniger bräunlich infiltrirt, nur wenige litten im hohen Grad an 
der Krankheit, und waren eigentlich putrid, innen dem Back- 
steinkäse ähnlich. Ihr specifisches Gewicht betrug zwischen 1068 
und 1084, im Mittel von mehreren Versuchen 1078, während 
gesunde Kartoffeln derselben (gelben) Sorte’ und aus demselben 
Boden, zwischen 1089 und 1118 spec. Gewicht, im Mittel 1099 
zeigten. 
Das geringere specifische Gewicht lässt auf grösseren Wasser- 
Teichthum der kranken Kartoffeln schliessen; ihr Inneres ‚reagirte 
Stark auf Lacmuspapier, was‘ übrigens gesunde Kartoffeln auch 
\hun; dagegen wird von den faulen Kartoffeln das geröthete Lacmus- 
Papier entschieden‘ blau gefärbt, was ohne Zweifel der Entwicke- 
lung von Ammoniak zuzuschreiben ist. 
Dass ' die Stärkemehlkörner auch in den kranken Kartof- 
feln unversehrt blieben, hatte die microscopische Untersuchung 
bald nachgewiesen und selbst ‘in den eigentlich faul gewordenen
	        

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