Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 1-2, 1845-1846)

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Knollen /konnte man dergleichen Körner noch in Menge sehen, allein 
die‘ Reaction dieses Stärkemehls auf Jod war verändert, indem 
sich‘ bei meinen Versuchen nur ausnahmsweise die schöne violette 
Färbung, dagegen! in der Regel eine bräunlichgrüne erzeugte. 
Die Epidemis der kranken Kartoffeln hatte die gewöhnliche 
Festigkeit; 'sie liess Wasser/und salzige Auflösungen nur sehr 
langsam durch. Versuche, wobei mehrere kranke: Kartoffeln in 
Auflösungen von Chlorkalk, oder Kochsalz (1 : 100) gelegt wurden, 
Zeigten ‚dass selbst nach mehreren Tagen noch mnichts davon in 
das Innere der Kartoffel gedrungen war; hieraus ergiebt sich, wie 
haltlös' die auf die Ansteckungs-Idee‘ gegründete öffentlich anem- 
pfohlene‘ Desinfection‘ der kranken Kartoffeln durch Einlegen in 
eine Chlorkalkauflösung während einiger Stunden und nachheriges 
Entchloren‘ durch Natron war. | Erst wem die Kartoffeln (gesunde 
wie kranke) ‘einige Wochen in einer‘ solchen Auflösung lagen, 
dürchdrang sie die Masse der Knollen, weil alsdann die Epidermis 
sich an mehreren Stellen losgelöst und Blasen gebildet ‚hatte. 
Mit einer Auflösung von blausaurem  Eisenoxydulkali ‚in. Wasser 
lässt sich diess noch leichter beweisen (ich' nahm 1-Theil‘ des 
Salzes auf 50 Theile Wasser); erst nach 9tägiger Maceration 
erschienen, wenn.man ein Eisensalz auf die Durchschnittsfläche 
brachte, die‘ ersten Spuren einer Reaction‘ durch eine bläuliche 
Färbung; erst nach. mehren Wochen war die ganze‘ Kärtoffel von 
der Auflösung durchdrungen, und reagirte dann stark auf blau- 
saures Kali, 
Unter den verschiedenen Hypothesen, welche über die Ur- 
sache der Kartoftelkrankheit in Umlauf gesetzt wurden, war auch 
die einer Ansteckung der Knollen durch kleine, kaum sichtbare 
Thierchen; sie mussten jedoch bald ihre Rolle an die Cryptogamen 
abtreten, da Thiere , wie klein sie auch sein mögen, immer noch 
eher mit Bestimmtheit zu unterscheiden sind, als die Sporulen und 
Filamente microscopischer Pilze. 
Es mag dahingestellt bleiben 'ob ein solcher Pilz (z. B. Scle- 
rotium semen) wirklich die. nächste Ursache der Kräuselkrankheit 
und Herbstfäule sei (wie Desvaux angibt), Soviel. ist: gewiss, 
dass’ in den kranken Kartoffeln mehre kleine Thierspecies, theils 
im Larven - theils’ im ausgebildeten Zustande: hausen, welche
	        

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