Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 32, 1876)

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als Lippen, Zähne, Zunge und Schlundkiefer, was auch ihre in- 
nige Verbindung mit den letztgenannten Werkzeugen erklärt. 
Interessant ist nun zu sehen, wie sich die Natur bei den- 
jenigen Wasserthieren geholfen hat, denen die Kiemenspalten 
abgehen, also bei den unter Wasser fressenden oder fangenden 
Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugethieren. 
Ein sehr einfacher Ausweg besteht bei den Wasserraub- 
thieren der genannten Abtheilungen darin, dass die greifenden 
Mundtheile lang und schmal sind, so dass das Wasser einmal 
völlig freien Abfluss nach rechts und links hat und zweitens 
beim Fassen möglichst wenig Wasser verdrängt werden muss. 
Diess liefert das Verständniss für die dolchförmigen oder messer- 
förmigen Schnäbel aller fischfangenden Schwimm- und Stelz- 
vögel, sowie für die schnabelartige, äusserst schmale, vorwiegend 
seitlich geöffnete Schnauze der Delfine und die zwar breitere 
aber um so tiefer gespaltene Schnauze der Krokodile. 
Ein anderer Ersatz für die Kiemenspalten liefern rechen- 
artige Vorrichtungen an der Mundspalte, mit welchen entweder 
der Bissen schon gefasst wird, ehe die Mundspalte für den 
Wasserdurchtritt abgeschlossen ist, oder die das Abseien kleiner 
Körper aus dem Mundwasser gestatten. Diese Rolle spielen 
lange Zähne, wie die der Delfine, Krokodile, Enten, Gänse ’etc. 
und die Barten der Walfische. Bei diesen Thieren gesellt sich 
hiezu eine auffallende Verkümmerung der Lippen, so dass auch 
bei geschlossenem Mund die Zähne frei zu Tage liegen, mithin 
keine äussere Mundhöhle vorhanden ist. Die Lippen würden 
hier nur den Wasserabfluss behindern. Bei unseren kiemenlosen 
Amphibien ist für's erste anzuführen, dass sie einen grossen 
Theil ihrer Nahrung aus der Luft, oder was fast gleichbedeutend 
ist, vom Wasserspiegel wegschnappen. Betrachtet man sie beim 
Fressen unter Wasser, was eigentlich fast nur die Tritonen thun, 
so macht ihre Unbehülflichkeit im Vergleich mit einem fressen- 
den Fisch einen kläglichen Eindruck, denn es gelingt ihnen nicht, 
ihren Bissen auf einmal in den Mund zu bringen, trotzdem, dass 
ihre Mundspalte verhältnissmässig sehr gross und dadurch der 
Abfluss des Wassers beim Schnappen sehr erleichtert ist. Auch 
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