Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 32, 1876)

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kann man wahrnehmen, dass sie mit Vorliebe grössere Bissen 
nehmen, die von den Zähnen'gefasst werden, so lange die Mund- 
spalte noch weit geöffnet ist, dass sie dagegen kleine Bissen, 
die ein Fisch noch mit Begierde und Leichtigkeit schluckt, ent- 
weder gar nicht beachten oder bei einem Versuch, darnach zu 
schnappen , scheitern, weil der Bissen durch das rückströmende 
Wasser wieder weggeführt wird, ein Beweis, dass ihre Fress- 
werkzeuge dem Landleben besser angepasst sind als dem Auf- 
enthalt im Wasser. Diese Unbehülflichkeit der Tritonen tritt 
noch klarer zu Tage, wenn man ihre noch mit Kiemenspalten 
versehenen Larven fressen sieht. Diese fangen die kleinen 
Cyclopiden und Daphniden mit derselben Geschwindigkeit wie 
ein Fisch. 
In meiner Schrift: „In Sachen Darwins“ habe ich ausein- 
andergesetzt, wie wir uns die Entstehung eines Lungenwirbel- 
thiers aus einem Kiemenwirbelthier zu denken haben und warum 
bei den ersteren die dem Embryo allgemein zukommenden Kiemen- 
spalten sich schliessen. Dem dort Gesagten wäre nach obigem 
hinzuzufügen, dass dem Lungenwirbelthier die Kiemenspalten 
nicht blos desshalb entbehrlich sind, weil er sie nicht mehr zum 
Athmen braucht, sondern auch weil sie für die Ergreifung der 
Beute in der Luft keine Bedeutung haben. Endlich wird uns 
aus obigem auch noch verständlich, warum die nur unter Wasser 
fressenden Kiemenmolche und Lochmolche noch Kiemenspalten 
besitzen, trotzdem, dass die Funktion der Athmung ganz (Loch- 
Molche), oder zum grossen Theil (Kiemenmolche) auf die Lungen 
übergegangen ist. Namentlich verständlich wird die Faortdauer 
der Kiemenöffnung bei den Lochmolchen (Derotremen): trotzdem 
dass hier von Athmungsverrichtung gar nicht gesprochen werden 
kann, weil die Kiemen ganz fehlen, ist doch noch die Oeffnung 
geblieben als nützliches Ventil für den Wasserabfluss beim Fres- 
sen — ein Beweis für meine frühere Aufstellung, dass die von 
mir geschilderte Funktion des Kiemenapparates fast noch wich- 
tiger ist als seine respiratorische, indem sie sich hier noch be- 
hauptet, nachdem die letztere bereits aufgegeben worden ist. 
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