Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

lichen Ursprung der Steinmesser zu gründen, geht sicherlich nicht 
an. Wir finden, schliessen die Egyptologen, die Steinmesser in 
der wasserlosen Wüste, in der sich nach gegenwärtigen Verhält- 
nissen Menschen nicht aufgehalten haben können. Wenn nun 
Menschen die Messer an Ort und Stelle nicht geschlagen hatten, 
so bleibt nur der natürliche Ursprung derselben, durch zufälliges 
Zersplittern beim Temperaturwechsel übrig. 
Dagegen schliesse ich: die Steinmesser in der Wüste haben 
eine Gestalt, wie sie nach allgemein menschlicher Erfahrung und 
nach den unabänderlichen physikalischen Gesetzen der Kohäsions- 
verhältnisse irdischer Körper nur durch einen absichtlichen Schlag 
entstehen können, Sie sehen ausserdem den Steinmessern der 
europäischen Höhlen uud Torfmoore, wo sie stets in Verbindung 
mit anderweitiger menschlicher Thätigkeit gebracht werden können, 
so aufs Haar ähnlich, dass nur die Etikettirung jedes einzelnen 
Stücks vor Verwechslung bewahren kann. Sind die Steinmesser 
wirklich von Menschenhand gemacht, so müssen einst Menschen 
an dem Ort gelebt und gearbeitet haben, wo sie in so erstaun- 
licher Menge zu finden sind. Da diese Orte der Steinmesser 
heutzutage Wüste sind, so müssen diese zu einer Zeit geschlagen 
worden sein, in welcher es noch kein egyptisches Volk gab und 
die heutige Wüste noch keine Wüste war. 
Wohl befreundet sich der Geist ungerne mit gewissen neuen, 
in unser System nicht passenden Ideen. Es ist daher auch leicht 
zu begreifen, dass Gelehrte, denen die Wüste sozusagen präexi- 
stirt von einer früheren Bewohnung und Bevölkerung der Wüste 
Nichts wissen wollen. Und doch mehren sich mit jedem Jahr 
die Beweise für eine frühere Kultur in der Wüste zur prä- 
historischen Zeit. So fand Abb& Richard Steinmesser östlich 
Kairo im Mokattam, in der Umgegend von Theben, auf Ele- 
phantine. Die grösste Werkstätte von Steininstrumenten (traf 
er am Fuss des Sinai und im Centrum des Gebirgs im Wadi 
Färän. Eben hier traf Beurmann im Wadi Meghära in der 
Nähe der Türkisminen, welche nach vorhandenen Felseninschriften 
zu Manethos Zeiten ausgebeutet wurden, Steinwerkzeuge jeder 
Art, mit denen, wie er meint, die Felsenschrift hergestellt 
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