Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

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Es ist meine Pflicht, Sie in der Stadt, wo Ihre Ver- 
sammlung tagt, etwas herumzuführen. 
Ich beginne, wie ja alle Deutsche thun, mit der Geschichte, 
Es ist eine Erfahrung, dass die älteste Kultur sich in den 
Seitenthälern der Ströme und Flüsse, in den hinteren Berg- 
Schluchten länger erhalten hat, als in den grossen Thälern selbst. 
So finden Sie hier in den Namen der Gewande, der Berge 
eine Fülle von Wörtern, welche nur aus der heidnischen Zeit 
stammen können: ja es ist wohl der beste Beweis hohen Alters, 
wenn ein Name, wie z. B. der der Achalm gar nicht oder 
kaum mehr erklärt werden kann. Ich darf hier an unseren 
verstorbenen Landsmann Dr. Theophil Rupp erinnern, welcher 
in seiner „Vorzeit Reutlingens“, Reutlingen - Stuttgart 1869, 
gezeigt hat, wie man mit fleissigem Forschen jeden Ort zum 
Ausgangspunkt wissenschaftlicher Forschungen machen kann. 
Hier sehen Sie an der Spitalkirche das Bild einer Gans mit 
einem Mädchenkopf und herausgestreckter Zunge, welches als 
ein Bild einer der Frau Nerthus verwandten Gottheit gedeutet 
wurde. Hier wurde ein Stein mit der Sonne und Runenschrift 
gefunden. Nicht weit von hier ist Belsen mit dem Bilde des 
Bel (frö). Bekanntlich sollten diese Götzenbilder durch Ein- 
mauerung in die Kirchen unschädlich gemacht werden. In der 
Nähe von Reutlingen am Opferstein wurden keltische Gold- 
münzen (Regenbogenschüsselchen) gefunden, ebenso bei Ohmen- 
hausen, wovon ich hier einige vorlege, 
Die bedeutendsten Spuren früherer Niederlassung finden wir 
aber in Pfullingen, wo östlich von der Laiblemn’schen Fabrik 
seit Jahren immer wieder alemannische Reihengräber aufgedeckt 
wurden. Eine grosse Zahl der schönsten Schmuckgegenstände 
unserer Sammlungen stammen dorther. Auch von diesen sind 
einige aufgelegt. 
Doch wir wollen nicht zu lange in diesen Zeiten verweilen. 
Wer sich die Sache selbst ansehen will, hat die beste Gelegen- 
heit, Versetzen wir uns in eine spätere Zeit Reutlingens, in 
die Zeit, welche durch unsern Uhland wohl für immer mit der 
Glorie der Dichtung umgeben ist. Wer kennt nicht das Wahr-
	        

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