Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 34, 1878)

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wächse, wie die Farnkräuter und Schachtelhalme, die Gräser 
und Lilien etc., überhaupt alle Gefässpflanzen verdanken ihre 
Festigkeit einem bestimmten, anatomisch wohl charakterisirten 
Gewebe, das bald nur einen kleinen, baldieinen sehr erheblichen 
Theil des ganzen Pflanzenkörpers bildet. Es ist dasselbe Ge- 
webe, welches an abgestorbenen Pflanzentheilen am längsten der 
Zersetzung widersteht und dadurch oft vollständig isolirt wird, 
dasselbe , welches auch den Hauptbestandtheil der Laub- und 
Nadelhölzer bildet und deren technische Verwerthbarkeit bedingt. 
Die Elemente, aus denen dieses Gewebe zusammengesetzt ist 
sind in ihrer äussern Erscheinung längst bekannt; es gehören 
dahin die Bastzellen des Hanfes, der Linde, die faserförmigen 
Zellen des Holzes u. s. w. Betrachten wir diese Elementarorgane 
unter dem Mikroskop, so erscheinen sie als langgestreckte, an 
den Enden pfriemenförmig zugespitzte Zellen, deren Wandung 
meist ziemlich stark, oft bis zum Verschwinden der Höhlung 
verdickt ist. Im ausgebildeten Zustande führen diese Zellen 
gewöhnlich Luft; eine Ausnahme hievon machen nur die so- 
genannten Collenchymzellen, welche als die am wenigsten aus- 
geprägten mechanischen Elemente zu betrachten sind und darum 
nebenbei noch andern Funktionen dienen; diese enthalten zeit- 
lebens Plasma und wässerigen Zellsaft, zuweilen auch Chlorophyll. 
Als eine constante Eigenthümlichkeit der mechanisch wirksamen 
Zellen verdient ferner hervorgehoben zu werden, dass sie kleine, 
spaltenförmige Poren besitzen, welche einer linksläufigen Schrauben- 
linie entsprechend gestellt sind. Die Neigung dieser Poren zur 
Längsrichtung varlirt zwischen 0 und circa 45 Grad. 
Die Festigkeit der skelettbildenden Gewebesysteme ist zu- 
nächst abhängig von der Widerstandskraft der Zellmembranen, 
d. h. der Substanz, welche allein die Cohäsion der Gewebe be- 
dingt, in zweiter Linie aber auch von der Art und Weise, wie 
die einzelnen Theile mit einander verbunden, und insbesondere, 
wie sie über die Querschnittsfläche vertheilt sind. In gleicher 
Weise ist ja auch die Festigkeit einer Brücke, eines Thurmes 
oder Pfeilers etc. nicht bloss von der Beschaffenheit des Ma- 
terials, sondern auch von der Construktionsweise abhängig. Die
	        

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