Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 36, 1880)

das Misslichste der Mangel an Untersuchungsmaterial. Ich musste
mich mit einigen Grammen der Tübinger Sammlung, einem etwa
5 cm breiten Gesteinsschnitt von unserem verehrten Landsmann
Dr. F. v. Hochstetter in Wien begnügen: meine Bitte an
Dr. Dawson in Montreal hatte den Erfolg, dass ich in den Besitz
 eines welschnussgrossen Stückes gesetzt wurde. In den
Handlungen war nichts zu bekommen, und in den Sammlungen
fand sich blos ein Stück, meist Geschenk von Dr. Carpenter
in London. Diese Stücke waren 50 mm dicke, einige Centimeter
breite und lange Platten, schön polirt und offenbar so zugerichtet,
dass sie gefällige Beweisstücke waren.
Ich führe diese Thatsache an, weil sie für den Verlauf des
Streites von grossem Einfluss war. Wie soll man prüfen ohne
Material? Und gerade der wichtigste Beweis, dass das Gestein
in gleicher Zusammenstellung vorkomme, ohne dass es sich um
ein Thier handeln konnte — dieser Hauptgegenbeweis war abgeschnitten,
 sobald man nicht ganze Gesteinsproben hatte.
Da traf es sich, dass ich auf eine Einladung der canadischen
Regierung eine Reise nach Canada machte.
Ich sah dort die Laurentianschicht in ihrer vollen Entwicklung,
 sah die Eozoonschicht und konnte nun Material nach Herzenslust
 nehmen.
Als ich zurückkehrte, war die Abhandlung von Dr. Möbius
in Kiel erschienen, welche in prachtvollen Abbildungen den Beweis
 dessen führte, was ich bloss in Worten sagen konnte.
Die Abbildungen der Carpe nter’schen Präparate veranlassten
mich, mein Gestein mit dem Microscop noch einmal zu prüfen.
Bei dieser Gelegenheit fand ich in einem besonders glücklich
getroffenen Dünnschliff „ein Astsystem“, welches das deutliche
Bild einer — Pflanze, einer Alge, gab.
Ich theilte meine Entdeckung Botanikern vom Fach mit, welche
sich nach genauer Untersuchung dahin aussprachen, dass das Gefundene
 zweifellos eine Pflanze sei — und zwar eine Alge.
Ich lege Ihnen das Präparat vor. Die Vergrösserung ist 90.
Die Alge kann nicht einmal zu den nieder organisirten gezählt
 werden.

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