Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 39, 1883)

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fach dazu Gelegenheit gehabt hätte. Ebensowenig hatten meine 
Angehörigen beim häufigen Beeren- und Schwämmesuchen ein6 
Kreuzotter beobachtet, noch konnte ich von einem Ortsbewohner 
die bestimmte Versichgrung erhalten, sie wirklich gesehen zu 
haben. Das ist nun mit einemmale anders geworden. Im vorigen 
Spätsommer hatten wir in unserm Garten zu unserer Ueber- 
raschung und natürlich nicht zur Freude die erste gesehen und 
erlegt, heuer aber ist die Zahl der im Garten und dessen Um- 
gebung beobachteten und zumeist erlegten Kreuzottern eine sehr 
bedeutende, so dass ich das Jäten des Unkrauts auf den Garten- 
wiesenflächen aufgeben musste. Wenn die Kreuzotter schon auf 
verhältnissmässig kleinem und von Menschen sehr belebtem Ge- 
biet so häufig vorkommt, wie zahlreich muss sie dort sein, wo 
sie ungestört ist und reichlicher Nahrung findet als hier! Jeden- 
falls ist diese Thatsache der Aufmerksamkeit werth und verdient 
das Vorgehen der Behörden im Deutschen Reich allseitig Nach- 
ahmung: ein Preis auf dieses wahrhaftige Ungeziefer würde es 
bald der Vernichtung entgegenführen. Heute lässt sich noch 
nichts sagen über die Ursache dieser erstaunlichen Vermehrung 
der Kreuzotter; gewiss ist es nicht die Wärme dieses Sommers, 
denn derselbe ist im Gegentheil der kälteste, den der Bericht- 
erstatter in dieser Gegend erlebt hat; eher könnte man sagen, 
dass die Milde des vergangenen Winters zur Erhaltung des Thiers 
beigetragen hat; weder der eine noch der andere Umstand ist 
aber auf die hier häufig lebenden Verwandten dieses Thiers, die 
Ringelnatter und Blindschleiche, von merkbarem Einfluss gewesen; 
beide sind weder häufiger noch seltener als sonst. Es scheint 
also, dass wir hier einer jener noch nicht genügend beobachteten 
und darum noch räthselhaften Erscheinungen gegenüberstehen, 
dass gewisse Thierarten mit einemmal in ihrer Individuenzahl 
riesig anwachsen, zu anderer Zeit ebenso rasch verschwinden.“ 
Uebereinstimmend mit diesen anderwärtigen Erfahrungen im 
Jahr 1882, sind nun auch in der Uracher Gegend seit 42 
Jahren zum erstenmal wieder Kreuzottern gefunden worden. Da- 
mals hatte man solche 1%/, Stunden von hier beobachtet an einem 
Bergabhang eines sehr einsamen Thals (Büchelbronn), der damals
	        

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