Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 39, 1883)

Insectenwelt den geschlechtslosen Blattläusen), und wird bei den 
Bandwürmern als Scolex bezeichnet. Diese Scolices entwickeln 
sich, oft in sehr complicirter Weise aus einem 6-hakigen Embryo, 
welcher mit den freiwillig sich ablösenden Gliedern (oder auch 
schon im Aufenthaltsort der Bandwurmkette freigeworden) den 
Wohnsitz der letzteren verlässt, in einem höheren Thier, das 
denselben mit der Nahrung in sich aufnimmt, zu einem eigen- 
thümlichen Gebilde (Cysticercus, Echinococcus, Blase, Finne) aus- 
wächst und endlich als solches vom Menschen wieder verschluckt 
wird. Im Darm desselben (oder der Thiere) heftet sich dann 
der inzwischen ausgebildete Scolex oder Kopf an, und bildet 
durch fortwährende Knospung stets neuer, mit Geschlechtsorganen 
versehener Glieder, den ausgebildeten Bandwurm., Dieser ist 
also nicht, wie die Laien gewöhnlich glauben, ein Individuum 
für sich, sondern eine Colonie von Individuen oder Gliedern, 
welche nach einiger Zeit ganz isolirt und selbstständig, wenig- 
stens eine Zeitlang, leben, ja bei gewissen Arten in diesem 
Stadium noch ein beträchtliches Wachsthum zeigen. Der Kopf 
allein bleibt, angeheftet durch besondere Haftorgane, so lange 
er lebt, meist an derselben Stelle, wächst nicht mehr, und hat 
wie die von ihm durch Sprossung erzeugten Glieder keinen Mund 
und keinen Nahrungskanal, trägt also auch zur Ernährung und 
zum Wachsthum des Erstern nichts bei. Anknüpfend an diese 
Thatsachen werden nun vom Verfasser die allgemeinen Grundzüge 
der Naturgeschichte der Bandwürmer gegeben, sodann die Ein- 
theilung derselben in verschiedene Gruppen. Die erste derselben 
sind die Blasenbandwürmer mit den Arten: Taenia saginata, 
solkum, acanthotrias, marginata und echinococcus; die zweite sind 
die gewöhnlichen Bandwürmer oder Cystoiden. Die Bezeichnung: 
„gewöhnliche Bandwürmer“ für alle nicht aus Blasen hervor- 
gegangenen Bandwürmer ist übrigens sehr wenig wörtlich zu 
nehmen, denn von den zahlreichen Arten derselben sind bisher 
nur vier beim Menschen und nur Eine beim Europäer gefunden 
worden. Auch dieser letztere (Taenia cucumerina) ist wegen 
des seltenen Vorkommens und des geringen Schadens, den er 
anrichtet, von sehr untergeordneter Bedeutung gegenüber der 
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