Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 39, 1883)

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So war Werner nach sehr verschiedenen Richtungen hin 
thätig; was ihm vor allem zugeschrieben werden muss, ist eine 
allgemeine naturwissenschaftliche Ausbildung, wohl- 
gegründet auf die solide Grundlage eines vollständigen chemischen 
und mathematischen Studiums. In heutiger Zeit ist es bei dem 
grossen Umfang der naturgeschichtlichen Wissenschaften mehr 
und mehr zur Seltenheit geworden, dass einer alle drei Reiche 
so beherrscht, Nur zu sehr hat das Streben überhand genommen, 
sich alsobald Detailuntersuchungen zu überlassen.‘ Werner hat 
aber, ehe er seinen speciellen Studien nachgieng, den Blick auf 
das Allgemeine gerichtet und seine „Naturkunde“ legt ein 
sprechendes Zeugniss davon ab, dass er die Fortschritte sämmt- 
licher Naturwissenschaften im Auge behielt und zu würdigen 
verstand. Dabei hat ihm seine gründliche chemische Ausbildung 
herrliche Dienste geleistet: wie hat er über geologische Theo- 
rieen, nur so hingeworfen, gelächelt, wenn dieselben den Resul- 
taten der chemischen Geologie widersprachen! Und seine Mathe- 
matik, die er — darauf weist sein Bildungsgang — meist auto- 
didaktisch gewann, hat ihn zu den schönen Resultaten geführt, 
die er auf dem krystallographischen Gebiete erzielte. 
So war er, wenn irgend einer, befähigt, naturgeschichtlichen 
Unterricht zu ertheilen und wenn auch von anderer Seite seine 
pädagogische Wirksamkeit schon ins richtige Licht ge- 
stellt wurde, so soll dieselbe hier doch nicht mit Schweigen 
übergangen werden. Für jüngere Schüler war Werner nicht 
der richtige Mann; schon seine körperliche Erscheinung, der 
kleine Mann mit gekrümmtem Rücken, forderte den Spott heraus, 
auch war sein Vortrag für jüngere Schüler weniger anziehend, 
vielleicht eben, weil bei seinem Körperbau der ungezogene Junge 
die Sprache nicht fürchten zu müssen glaubte, die am erfolg- 
reichsten mit solcher Jugend gesprochen wird. Dagegen wussten 
ältere Schüler die Vorzüge seines Unterrichtes wohl zu wür- 
digen: wie er selbst überall zu klarem Erfassen durchzudringen 
bestrebt war, so bot er auch der Jugend den klar durchdachten 
Stoff in fertigem Gewande und in präciser Form. Sein „Leit- 
faden der Krystallographie“ schuf keine wesentlichen Fortschritte; 
er ist aber als Versuch, die Krystallographie als Unterrichtsfach 
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