Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

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BAUZEITUNO 
Nr. 14/15 
heit gegeben werden können. Die von den Arbeitgeber 
verbänden aufgestellten „Arbeitsbedingungen“, welche 
vom 1. April ab überall anstelle der örtlichen Tarifverträge 
das Arbeitsverhältnis reqeln, lehnen sich eng an den 
Wortlaut der abgelaufenen Tarifverträge an, enthalten 
also keine Verschlechterung der bisherigen Arbeits 
verhältnisse für die Arbeiter. Damit sind, soweit die 
Arbeitgeber in Frage kommen, die Voraussetzungen zur 
Erhaltung des inneren Friedens im Baugewerbe auch 
während der kommenden tariflosen Zeit erfüllt. 
Baudirektor a. D. W. von Grauer f. 
Der nach langem Leiden am 24. März in Stuttgart verstorbene 
Baudirektor a. D. Wilhelm von Graner wurde am 26. April 1842 
in Ludwigsburg geboren. Er besuchte bis 1857 das dortige Lyceum 
und in den Jahren 1857—62 die polytechnische Schule in Stuttgart. 
Die beiden Staatsprüfungen im Ingenieurfach legte er in den Jahren 
1863 und 67 mit Erfolg ab. ln den Jahren 1866 und 1870/71 diente 
er als Fähnrich und Leutnant beim württ. Ingenieurkorps. Seine 
praktische Tätigkeit begann er bei der k. württ. Eisenbahnbau 
kommission im Jahr 1863. In den folgenden Jahren war er den 
Eisenbahnbauämtern Crailsheim und Hall als Bauführer und den 
Vermessungs- und Eisenbahnbauämtern Nagold und Horb als In 
genieurassistent I. KI. zugeteilt. Im Oktober 1869 in den Dienst 
der K. Straßen- und Wasserbauverwaltung übergetreten, 
war er bis 1876 als Straßenbauinspektor in Heilbronn und hernach 
bis 1888 als solcher in Biberach tätig. In diesem Jahr wurde er 
in das Kollegium der MinisterLlabteilung für Straßen- und Wasser 
bau berufen, wo ihm, neben der Aufstellung der Entwürfe über 
die Donau-, Iller- und Argenkorrektionen die Begutachtung der 
in der Instanz des Ministerums erwachsenen Wasserbaukonzessions 
sachen oblag. Jahrzehntelang war er in der Feldmesserprüfungs- 
Kommission als Mitglied tätig. Die einzigartige Kabelbrücke über 
die Argen in Langenargen und die prächtige Eberhardsbrücke 
über den Neckar in Tübingen in Verbindung mit der dortigen 
Flußlaufverbesserung wurden nach den von Präsident v. Leibbrand 
aufgestellten Plänen unter seiner Oberleitung ausgeführt. Diese, 
sowie viele andere kleinere Bauwesen an Straßen und Brücken, 
insbesondere im württ. Oberland, zeugen von der schöpferischen 
Tätigkeit des Heimgegangenen und sichern ihmein dauernd ehrendes 
Gedenken. Im Jahr 1895 war er zum Oberbaurat ernannt worden; 
im Januar 1906 wurde er mit dem Titel eines Baudirektors aus 
gezeichnet. Im Januar 1908 trat er in den bleibenden Ruhestand. 
Personalien 
Stuttgart. In Ruhestand versetzt wurde auf Ansuchen 
Oberbaurat von Wundt bei der Qeneraldirektion der Staatseisen 
bahnen unter Verleihung des Kommenturkreuz 2. Kl. des Friedrichs 
ordens. 
Bei der Staatsprüfung im Hochbaufach sind die folgenden 
Kandidaten für befähigt erklärt worden: Otto Bengel, Bietigheim, 
OA. Besigheim; Otto Bruder, Heimsheim OA. Leonberg; Walter 
Dekkinger, Schützingen, OA. Maulbronn; Wilhelm Finkbeiner, 
Pfaffenstube, OA. Freudenstadt; Georg Frey, Göppingen; Gustav 
Gonser, Onstmettingen, OA. Balingen; Eberhard Gossenberger, 
Tuttlingen; Eugen Griesinger, Ulm; Kurt Haag, Sindelfingen, 
OA. Böblingen; Otto Hespeler, Nagold; Ernst Krieg, Weikers- 
heim, OA. Mergentheim; Walter Kurtz, Schafhof, OA. Oehringen; 
Rudolf Lempp, Oberiflingen, OA. Freudenstadt; Paul Otto, Wal 
denburg, OA. Oehringen; Karl Neger, Gmünd; Paul Rieger, 
Stuttgart; Walter Rist, Stuttgart; Karl Rummel, Göppingen; 
Emil Schäffer, Gmünd; Alfred Schott, Großgartach, OA. Heil 
bronn; Julius Vischer, Augsburg; Max Wagner, Enzweihingen, 
OA. Vahingen. Sie haben die Bezeichnung Regierungsbaumeister 
erhalten. 
Sprechsaal 
Anfrage. In einer Zuckerfabrik wird nach Herstellung einer 
Betondecke vor Aufbringen des Glattstrichs Rohzucker fabriziert 
und hiebei solcher verstreut. Beim Annetzen des Bodens vor 
Aufbringen des Glattstrichs löst sich der Zucker auf und dringt 
das Zuckerwasser in den frischen Qlattstrich ein. Dieser bindet 
schneller als gewöhnlich ab, ist jedoch nach dem Erhärten mürb 
und verbindet sich nicht mit dem Unterbeton. Auf welche chemische 
Eigenschaften des Zuckers ist dies zurückzuführen? Z. A. 
Antwort. Ueber das Verhalten von Beton bei Gegenwart von 
Zucker liegen anscheinend keine praktischen Erfahrungen vor. 
Doch läßt sich aus den chemischen Eigenschaften des Zuckers 
mit ziemlicher Sicherheit ein Anhalt gewinnen, auf welche Ursachen 
das unerwünschte Verhalten des Betons bei der Herstellung des 
Bodens in der geschilderten Weise zurückzuführen ist. 
Unter Umständen könnte man annehmen, daß es sich bei 
dieser Veränderung nicht um die Einwirkung des Zuckers selbst, 
der doch chemisch nur wenig wirksam ist, handelt, sondern daß 
irgend ein anderer Stoff, der bei der Zuckerfabrikation Anwendung 
findet, den schädlichen Einfluß ausgeübt hat. Dabei wäre in erster 
Linie an schweflige Säure (S Os) zu denken, die bei der sogenannten 
Satoration mitbenutzt wird. Bei schwefliger Säure besonders in 
heißer wässriger Lösung sind wiederholt starke Angriffe auf Beton 
beobachtet worden. 
Doch ist in der Anfrage ausdrücklich betont, daß 
die Einwirkung jedenfalls auf Zucker selbst zurück 
zuführen ist. Der Zucker gehört in die große Klasse 
der Alkohole. Er vermag daher mit Basen sogenannten 
Alkoholate in diesem Fall Saccharate zu bilden. Kalk- 
saccharate, also Verbindungen des Zuckers mit Kalk, 
sind mehrere bekannt, man macht auch praktischen 
Gebrauch von ihrer Darstellung bei der Gewinnung 
des Zuckers aus der Melasse. 
Wenn (‘nun [eine Zuckerlösung im Zement mit den 
kalkhaltigen Verbindungen des letzteren zusammentrifft, 
ist anzunehmen, daß dem Zement durch den Zucker 
Kalk entzogen wird, zur Bildung von Kalksaccharaten. 
Nun sind diese Verbindungen nicht sehr beständig; durch 
die Kohlensäure der Luft, auch durch Wasser werden 
sie "meist 'schon wieder zersezt, wenn nicht gerade 
ein großer Ueberschuß vonf freiem Kalk zugegen ist, 
was im Zementjnicht der Fall sein dürfte. 
Wenn derartige chemische Umsetzungen fsich im 
Innern des frisch abgebundenen Zements abspielen, ist 
es^wohl verständlich, daßjbei den damit verbundenen 
Volumveränderungen das Gefüge der Masse gelockert 
wird [ünd besonders auch der [Glattstrich nicht auf 
der Unterlage haftet. 
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Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. 
Druck: Gustav Stürner in Waiblingen.
	        
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