Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 43, 1887)

48 — 
ein grosses Rad und etliche eiserne Eimer durch eine eichene Rinne 
in die grossen Kessel des Badhauses zum Sieden und Baden geleitet. 
Die Quelle ist jetzt nicht mehr vorhanden. 
2. Eine Quelle im grossen Badhaus — jetzt hinter dem Bad 
befindlich — sie wurde zur Temperierung des Badwassers in dem 
Badhaus benutzt. 
'3. Die Quelle am Moser’schen Haus, die feiner geschmeckt 
haben soll, deshalb sich mit ihrem zarten höflicheren Geschmack 
sonderheitlich bei dem zarten Frauenzimmer beliebt gemacht habe; 
sie existiert nicht mehr. 
4. Der sogenannte neue Brunnen — der heutige Sauerbrunnen 
— seit 1687 bis heute ausschliesslich zum Trinken benutzt. 
Im Gehalte waren nicht alle Quellen gleich erachtet: alle führen 
1. Eisen mit Kupfer temperieret, 2. Vitriol, 3. Salpeter mit Alaun 
gemischt, und endlich 4. den geistreichen subtilen Schwefel; die 
einzelnen Bestandteile wechselten, insonderheit die flüchtigen Geister, 
denen die Hauptwirkung zugeschrieben wurde. Dr. MaskowsKy, der 
mit Beihilfe beider hiesiger Apotheker, der H. Mıcmar. MEeyr und 
Pıumirr Lurz anno 1680 die Quelle analysierte, gesteht übrigens, dass 
die Mixtion eines Sauerbrunnens eine dem menschlichen Verstand 
unbegreifliche Sache sel. 
Man trank das Sauerwasser morgens an der Quelle, weil „da 
die Geister des Sauerwassers besser beisammen seien, die später 
durch die Sonne gedämpfet werden“. Und zwar diente dem ge- 
meinen Mann eine kupferne Schapfe, die mit einer Kette an den 
Brunnenstock befestigt war; bessere Leute tranken aus thönernen 
oder zinnernen Bechern; den feinen Leuten dienten Gläser. Am 
meisten empfohlen waren kleine Gläslein von böhmisch oder venetisch 
Glas, deren 12 auf eine württemb. Mass gingen; doch kam dem 
Doktor auch einmal Einer vor, der anderthalb Mass Sauerwasser 
aus einem halbmässigen Glas auf dreimal getrunken hatte, und ein 
Anderer, ein böhmischer Geistlicher, so 900 Mass württ. in kurzer 
Kurzeit getrunken hatte. Über eine Mass sollte keiner trinken ım 
Tag; was mehr sei überschwemme den Magen und mache Ekel und 
das bekomme übel. Man wisse ja überall, fügt er zur Belehrung 
bei, dass ein Rausch, so einer sich mit Ekel angetrunken, viel 
übler bekomme, als den er mit Appetit erworben. Man trank erst 
eins, dann langsam steigend zwei, drei und mehr. Darüber, ob 
zwischen dem Sauerbrunnentrinken zur Stärkung des Magens etwas 
zu geniessen sei, waren die Ansichten geteilt. Unseres Doktors
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.