Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 43, 1887)

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und Schnepfen. Alles Geflügel sollte gesotten, nicht gebraten, auch 
nichts mit Essig zubereitet werden. Aller Würste soll man während 
des Sauerbrunnens sich enthalten. Solche mit schwachem Magen 
lassen sich Consome von einem guten Kapaunen neben einem Kalbs- 
fusse machen und befinden sich sehr gut.dabei. Milch und alle da- 
von gemachte Speisen, auch Käse und Butter waren verboten. Von 
Fischen galten für dienlich: Hechte und Forellen, alle andern, und 
am allermeisten die gesalzenen, als Stockfische, Heringe u. s. w. waren 
verboten. Viel gekocht wurde Ulmer Gerste, Spinat, Kohl, Spargeln; 
Kohlraben und gelbe Rüben waren streng verboten, ebenso Erbsen, 
Tinsen und Bohnen, und Sauerkraut ist dem Doktor zu dieser Zeit 
ein Greuel. Obst sollte man möglichst wenig geniessen. Das ein- 
same Speisen erklärt unser Doktor für allzu langweilig, eine grosse 
Kompanie sei aber auch nicht zu wählen, weil sich selten viel Köpfe 
unter einen Hut schicken, ausserdem müsse man beim Speisen in 
Kompanie ein beständiges Tadeln über alle Speisen anhören, welchen 
Fehler — so fügt der ungalante Mann des 17. Jahrhunderts bei — 
gemeiniglich das Frauenzimmer an sich zu haben pflege. 
Was das Getränke betrifft, so galt am dienlichsten ein guter 
alter weisser Neckarwein, einen welchen im Keller zu haben jedem 
guten Bürger wohl anstehe und der Sauerbrunnenwirt verbunden war, 
maassen es in einer Urkunde von 1624 heisst: sonsten ist der Wirth 
verbunden allzeit einen guten und aufrechten alten Wein zu speissen, 
weshalb niemand den Wein im eigenen Fässlein zur Kur mitbringen 
sollte, was aber meist geschah. Übrigens wurde sehr geklagt, dass 
der Badwirt durch 100 Jahre hindurch bloss einerlei Wein habe, 
weshalb der Herzog befahl, dass er noch einen hinzuthun müsse. Bier 
war verboten, da solches von wenig guter Beschaffenheit nur in den 
Wirtshäusern zu haben sei — was ja jetzt auch besser geworden 
ist — wie auch Most und Limonade. 
Wein sollte der Badgast ganz wenig trinken; wie übrigens diese 
Vorschrift gehalten wurde, zeigt ein Bericht des Kellers aus dem 
17. Jahrhundert, wo es heisst, „er habe sich des Befehls, dem Herzog 
von Holstein 2 Eimer Wein neben gebührender Glückwünschung zu 
vorhabendem Gebrauch des Sauerbronnens zu präsentiren, entledigt.“ 
Von 1—2 Uhr macht der Badgast sein Mittagsschläflein; von 
2—5 Uhr sucht er allerlei Unterhaltung mit Gesellschaft, Spiel, 
Musik, Tanz u. s. w. Von Spielen waren üblich: Karten-. Brett- 
und Würfelspiel. Das Kartenspiel galt als weniger anständig und 
fast schädlich im Sauerbronnen; denn es gehe 1. meist tief ins Geld,
	        

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