Objekt : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 43, Bd. 2, 1883)

Anlage von Arbeitshäusern.

geichnungen nicht mehr als 6 Druckbogen Großoktar stark sein.
ülle eingereichten Konkurrenzschriften werden — ,auf
Vunsch mit Angabe des Verfassers — auf der Berliner
Aussteilung für' Hygiene in 1882 ausgestellt.
Die Koukurrenzbrochüren sind bis längstens den 1. März 1882
nit der Bemerkung: „Konkurrenzbrochüre, betr. die Errich—
ung von Arbeiterwohnhäusern“ bei dem in Mainz domizi⸗
irten Verein „Concordia, Verein zur Förderung des Wohles der
Arbeiter“, einzureichen.
Die Eröffnung sämmtlicher Einläufe findet am 1. März
882 statt.
Das Manuscript der prämiirten Arbeiten wird Eigenthum
)es Vereins Concordia.
Mainz, im August 1881.
Der Vereins-Vorstand.“

Wir beginnen jetzt mit der Veröffentlichung unserer Arbeit:

L. Theil.
Allgemeine Grundsütze.
«. Gesammtdisposition.
Ist der Plau eines Hauses zweckmäßig entworfen, so kann
es keinen großen Unterschied ausmachen, ob das Haus einzeln
dasteht oder in Verbindung mit andern; wird von vornherein an
»em bewährten Grundsatze festgehalten, daß die Thür- und Fenster—
zffnungen nur an den beiden schmalen Seiten liegen und die
Langseiten freibleiben sollen für Hausgeräthe, insbesondere für
Bettstellen, so bleibt es sich ganz gleich, ob die beiden Langseiten
reistehen, oder ob die eine oder die andere sich an ein anderes
Bebäude anlehnt; nur sind im ersten Falle die Kosten erheblich
zrößer, weil nicht nur die beiden Langseiten stärker gebaut werden
nüssen, fondern namentlich auch, weil keinerlei gemeinschaftliche
Wand besteht: ebenso wird dies Hans trotz seiner stärkern Langvände
 dem Wind und dem Wetter weit mehr ausgesetzt sein, als
venn auch nur eine Langwand mit dem Nachbarhaus gemein—
chaftlich ist. Wir stellen also in erster Reihe den Grundsatz auf:
Das Arbeiterhaus — ganz einerlei, ob einzeln oder an—
gebaut — ob in der Stadt oder auf dem Lande — soll
ein Rechteck bilden, dessen lange Seiten zugemauert, an
dessen kürzeren Seiten Außenthüren und Fenster einander
möglichst gegenüber liegen sollen. Daß behufs einer aus—
reichenden Lufterneuerung die zwischen jenen Fenstern liegende Wand
durch eine Thüre unterbrochen wird, versteht sich von selbst.
Die Begründung dieser Anlage ist entnommen dem so äußerst
weckmäßigen amerikanischen Familienhause (siehe bei
Meiners, das städtische Wohnhaus der Zukunft 1880 zweite
Auflage S. 10 ff.) —
Will man irgend eine größere Anlage von solchen Häusern
rrichten — und dies wird meist der Fall sein — so ist dies möglich
a. durch Doppelhäuser,
). durch Hausvierecke,
. durch Hanusreihen,
4. durch Doppelreihen.
ad a. Die Doppel häuser haben den unbedingten Vorzug
»or dem Einzelhause durch leichtere Bauart, durch geringere
dosten, durch bessern Schutz vor Wind und Wetter.
Sollten also blos zwei Häuser gebaut werden, so gebührt
dem Doppelhause vor dem Einzelhause zweifelsohne der Vorzug.
—asd b. Die Hausvierecke sind zu' derwerfen, weil“ sie
einem der ersten Grundsätze für unsern Zweck widersprechen, näm—
ich dem einer gehörigen Lufterneuern n 9; soll dem Hause frische
Luft zugeführt werden, so genügt es nicht, den Raum vor dem
Hause zu beherrschen, sondern ijn noch viel höherem Maße ist der
Raum hinter dem Hause auf mindestens 10 m tiefer als
die Haustiefe dafür in Anspruch zu nehmen. Bei dem Haus⸗
niereck aber dringt gerade Rauch, Staub, Geruch ꝛc. aus dem ge—
meinschaftlichen, wenn auch abgetheilten Mittelraum von hinten
in die Häuser.
Aus demselben Grunde sind auch
ad d. die Doppelreihen, d. h. die Häuser mit gemein⸗
schaftlicher Hinterwand, durchaus zu verwerfen, und es
zrübrigen somit nur noch
ad c. die Hausreihen als einzig zweckmäßige Anlage
don 3 oder noch mehr Häusern sowohl' vom pekuniüren dls vom
gesundheitlich en Standpunkte aus. Die Gesammtanordnung
der Anlage stellt sich also etwa folgendermaßen heraus:
Das Grundstück längs einer Straße hat eine Tiefe von etwa
20 m; hat es noch mehr Tiefe, um so besser; aber 20 m
genügen; in der Breite würden eiwa ein halbes Dutzend Häuser
zebaut, dicht aneinander, jedes mit Oeffnungen nach vorn und
nach hinten; vor jedem Hause, d. h zwischen Haus und

Straße, befindet sich ein Vorgarten von etwa 2 m Tiefe, der Raum
jinter dem Hanuse ist der eigentliche Garten. An jedem der beiden
Endeun der ganzen Hausreihe zieht sich ein etwa 4 mm breiter Weg,
echtwinklig von der Straße, an den die Hausreihe einschließenden
Härten hin, auf welchen ein etwa 2 m breiter Weg hinter allen
Bärten weg wieder rechtwinklich einmündet.
Soll aber die ganze Anlage wirklich gesund sein, dann darf
zie Bebauung des Vorgärtchens und des Hauptgartens nicht in das
Belieben des einzelnen Bewohners oder Eigenthümers gestellt, son—
»ern mit Strenge muß namentlich im Anfang darauf gesehen
verden, daß vor jedem Hause 15-3 rasch wachsende Bäume,
. B. Akazien oder Platanen, hinter dem Hause mindestens ebenso
ziele solche gepflanzt und erhalten, beziehungsweise wieder ersetzt
verden; denn Bäume und Gesträuch vor und hinter dem
danse bilden die beste Lufterneuerung, indem ein einziger
nächtiger Baum bei ganz leichtem Zugwind die gesammte Kohlen—
äure selbst eines mit Menschen gefüllten Wohnraumes in kuͤrzer
Zeit aufsaugt. Aus demselben Grunde sollten auch lebendige
häge die Anwesen abgrenzen. Die mittleren Bäume zwischen
edem Baumviereck hinter dem Hanuse sind am besten Frucht-—
äume, insbesondere Aepfel-, Birn-, Nußbäume, die lang—
amer wachsen, aber länger dauern. Sollte der Baugrund aus
rgend welcher Ursache feucht sein, so empfehlen sich Eukalypten statt
»er Akazien oder Platanen. Für je eine solche Hänserreihe wird dann
iuch ein Brunnen genügen, der, selbstverständlich von der Straße
uus zugänglich in das Vorgärtchen „des Hauses in der Mitte“ ge—
raben wird. Ist freilich eine Wasserleitung ohne übergroße
dosten zu haben, so ist dies besser; andernfalls aber genügt auch
»ein Brunnen und zwar sei hierzu der jetzt so weit und breit an—
gewendete verbesserte Abessynier-Brunnen oder Rohrbrunnen
mpfohlen.) Das Brauchwasser wird aus der Küche offen oder
in Thonröhren in den Graben der Landstraße und von dort weiter
geleitet, gleichwie auch das Regenwasser, sofern es nicht in Fässern
gesammelt wird. Die Entleerung des Aboris geschieht — soweit
der Inhalt nicht dem Garten zukommt — wie die Abfuhr des
Kehrichthaufens durch das Gärtchen hinter dem Hause weg auf
die Straße.
— —88 erübrigt noch eine Hauptsache: Der Grund und
Boden.
Vor allem lasse man sich bei Wahl des Platzes nicht blen—
den durch billigen Preis. Da die von uns vorgeschlagene
däuserreihe so außerordentlich wenig Straßenseite beansprucht
ind da ja meist nur diese in Berechnung kommt, so bezahle man
das Meter Straßenseite lieber etwas theurer und wähle einen guten
Platz. Gut ist ein Platz für diesen Zweck;
a. wenn er möglichst in der Nähe des Orts, in Städten in
nöglichster Nähe eines Bahnhofes liegt.
b. wenn er sich längs eines bereits vorhandenen größern
Verkehrswegs in einer Tiefe von mindestens 20 m hinzieht und
zwar womöglich in der Richtung von Osten nach Westen.
c. wenn er verhältnißmäßig guten Baugrund hat.
Um letzteres zu uutersuchen, grabe man von der Straßenhöhe
ꝛbwärts ein etwa 1m niefes Probeloch; zeigt sich schon hier der
yöchste Grundwasserstand, so gebe man den Platz einfach auf; die
Baukunst hat zwar Mittel genug, selbst auf schlechtem Untergrund
zu bauen; sie sind angegeben in Schmölkes Handbuch 1876 S. 17.
Aber durch alle diese Mittel wird der Bau derart vertheuert und
die Ausführung ist, wenn sie nicht in sehr geschickten Händen liegt,
o unsicher, daß man die Wahl eines solchen Platzes später sicher
nereuen würde.
Im übrigen liegt für die Anlage eines leichten Arbeiterhäus—
hens nicht viel daran, ob man auf Gerölle, auf Sand in festen
Lagen, auf Thon oder Lehmboden stößt; ausgeschlossen ist
aur Triebsand, aufgeschütteter Grund, Sumpf- oder
Moorgrund. Nach dem so verdienstvollen Schriftchen von Julius
Schulz: „Das Mühlhauser System“ Nachtrag S. 37 ff. kommt
elbst in Berlin ein solcher Platz nicht höher als auf etwa
00 Mk. per Meter Straßenseite.
Hat ein Platz die hier geforderten Eigenschaften, so ist
er zu besagtem Zwecke tauglich; stehen längs der Straße oder
nif dem Platze selber schon große Bäume, um so besser; unbe—
zingt ist dann, um solche zu schonen, die Baulinie nach vorn oder
aach hinten zu rücken; sorgfältig ist natürlich auch zu verhüten,
daß die vom eigentlichen Hausplatze abgehobene Schicht des Erd—
reiches als Bauschutt fortgeführt wird, sondern zu erwirken, daß
sie dem Garten zugelegt wird.
(Forts. folgt.)

) Scholz, Gas- und Wasserleitungen 1881 S. 301 ff. Abdruck aus
zreymann, Baukonstruktionslehre B. IV. zweite Auflage.
            
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