Volltext : Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

165. -
Praxis sich nicht de>en, d. h. daß die vegetarianis<he Leben3Sweise große
praktische Erfolge aufzuweisen hat, aber die doktrinäre Begründung
derselben falsch ist.
Die genannten Mittheilungen, meine fortschreitenden Erfahrungen
über das Wesen von Krankheit und Heilung, die ich in der wissensc<aftlihen
 Beilage zu dieser Nummer in zusammenfassender und gedrängter
 Form niedergelegt habe und die mir erst jezt völlig verständlich
 gewordenen früheren praktischen Erfahrungen an Thieren als ehemaliger
 Thiergärtner haben meine srühere Stellung zum Vegetariani8mus
erheblich) geändert und mir auch zu einer andern und wie ich glaube
richtigeren wissenschaftlichen Begründung der vegetarianischen Lebensweise
 verholfen.
Meine Leser kennen zur Genüge meinen Grundsatz: „Krankhei“
 ist Gestank“, d. h. alle3 was stinkt, macht krank oder disponirt
wenigjuns zu Erkrankungen und zwar um so mehr, je übler der
Geruch iF,
Thatsache ist nun, daß der Kothgeruc< der Fleischfresser viel
stinkender ist als der von Pflanzenfressern. Davon kann man sich an
den Raubthierhäusern der 'Thiergärten und in den Menagerien leicht
überzenqo»
-» dieser Unterschied nicht von der spezifisch verschiedenen Natur
di Thiere herrührt, sondern von ihrer verschiedenen Nahrung, bew“
 die tausendfältige Erfahrung mit unseren Hunden. Ein mit
Fleit:,/ gefütterter Hund hat eine so penetrante Ausdünstung, daß
niemand einen solhen, namentlich einen großen, als Zimmergenossen
erträgt und daß es deShalb fast allgemeine Praxis ist, nur Hofhunde
mit Fleisch zu füttern, Zimmerhunde dagegen vorzugsweise vegetarianisch
 zu ernähren, troßdem daß das nicht ihre natürliche Nah-FU

“an sollte nun meinen, daß den Zimmerhunden diese unnatür-[i?*
 > w/ahrung sHle<ht bekomme, aber das gerade Gegentheil
ij >> Fall: Zimmerhunde, die man unverständigerweise wesentlich
mit Fleisch füttert (es geschieht das besonder3 bei kleinen Thieren, da
man hier vom Ausdünstungs8geruch weniger belästigt wird), sind keineswe"3
 gesünder als vegetarianisch ernährte, sondern di8ponirt zu Ausschlagkrankheiten,
 Verdauungsleiden, hizigen Krankheiten, Hämorrhoiden
u. j. w. Der populäre Ausdruc> für diese ganz bekannte Sache ist:
Fleis<hfütterung ist für Zimmerhunde zu hißig, und doch
wird ar. der andern Seite kein Mensch bestreiten wollen, daß der
Hund, als zugehörig zu Füchsen und Wölfen, mit demselben Zahnbau,
Darmbau 2x. wie diese, von Natur ein Fleischfresser ist.
; Die Sache ist eben die: Jedes Geschöpf hat eine sogenannte
natürliche Nahrung, allein sobald dasselbe seinen natürlich en Verhältnissen
 entzogen und unter unnatürliche gebrac<ht wird, so ist
eine Aenderung derselben erforderlih. Das gilt vom Fleischfresser
ganz besonder8, aber auch vom Pflanzenfresser. Die Viehzüchter wissen
            
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