Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 45, 1889)

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und schönsten ist die Grenzschichte in der nächsten Nähe von Crailsheim
 zu sehen, wo wir heute unsere Generalversammlung abhalten.
Die Grenze stimmt merkwürdigerweise mit der politischen Grenze,
wie sie glücklicherweise nur kurze Zeit existierte. Im Jahre 1866
konnte man von der Kocherlinie reden als einer Art Mainlinie, bestand
 doch in dem genannten Jahre während einiger Monate eine
militärische Grenzlinie, die aber glücklicherweise nie zu einer Scheidung
 der schwäbischen und fränkischen Stämme geführt hat. Der
Kocher macht keine Ausnahme unter den Flüssen, welche samt und
sonders ihre beiden Ufer nicht trennen sondern verbinden, so sind
denn auch die Ufer des „jagenden“ und des „kochenden“ Flusses
unter sich nicht getrennt, sondern durch einerlei Bevölkerung verbunden,
 welche an den Ufern sitzt.
In uralte Zeiten datieren die Grenzlinien der Trias zurück
 , entstanden beim Wechsel von Festland und Meer, Wechsel,
die wohl zu allen Zeiten vor sich gingen wie sie heute noch vor
sich gehen, aber nun gerade in der Mitte der Triaszeit besondere
Spuren in den Zahn- und Beinbetten (Bonebeds) hinterlassen
haben. Die inhaltreichen Bonebeds machen die Crailsheimer Gegend
zu einer der wertvollsten Gegenden, indem hier als auf der Scheide
der alten und der neuen Zeit die Reste der Lebewesen erhalten
blieben, und zwar soweit sie der Zerstörung durch Fäulnis nicht
unterlagen, bis auf die zartesten Gräte und Zähnchen hinaus. Solche
Reste aus dem Bonebed zu sammeln und vor der Zerstörung zu
retten, ist eine wahre Wonne. Wir können daher auch das Verdienst
 von Herrn R. BLEzıNnGER nicht hoch genug anschlagen, der
seit Jahren die Funde, die beim Abräumen des Bonebeds gemacht
worden, sorgfältig sammelt und prüft. Zwei Welten finden wir in
dem Bonebed aneinander gereiht, eine absterbende Welt, die in der
palaeozoischen Zeit ihre höchste Blüte erreicht hatte und eine neuauflebende,
 welche im Keuper zur vollen Entwickelung kommt. In
der einen stossen wir auf die letzten Reste jener Panzerfische, welche
das palaeozoische Meer bevölkerten und beherrschten. Mit diesen
letzten Resten sind aber bereits auch die Erstlinge der Neuzeit vergesellschaftet,
 Haifische und Rochen als Vertreter der heutigen Lebewelt
 im Meer. Die Tiergruppe der Knorpelfische ist nun freilich
fast nur durch vereinzelte Zähne und durch Koprolithen vertreten,
welche denn auch im Crailsheimer Bonebed die wichtigsten und zahlreichsten
 Erfunde bilden. Bei der Beschaffenheit des Dünndarms
dieser Fische, die sich an den spiralen Falten leicht erkennen lassen,

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