Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 45, 1889)

ZA —
Darüber lassen sich heutzutage zwar Vermutungen mancher Art
aufstellen, etwas sicheres wird sich wohl kaum ergründen lassen.
Ein weiterer Umstand, welcher meines Wissens noch nirgends
hesonders erwähnt ist, verdient unsere Beachtung. Wir dürfen, glaube
ich, die Muschelkalkformation als dasjenige Zeitalter ansehen, in welchem
 sich bei den Cephalopoden die zerschlitzten und gespaltenen
Loben gebildet haben. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass diese
Bildung das langsame Resultat eines allmählichen Entwickelungsprozesses
 ist, dessen Anfang wir hier zu suchen haben. Die Sache
geht folgendermassen zu. Es lässt sich bei Ceratites nodosus vielfach
 eine Vermehrung in den Krümmungen der Lobenlinien nachweisen,
 die zuerst eine einfache gekrümmte Linie darstellen. Später
treten an den Loben, die bis dahin von den Sätteln sich nicht unterscheiden,
 kleine strichartige Fortsätze auf, oft nur wenige, oft
auch eine ganze Anzahl, welche dem Lobus die runde Form benehmen
 und in eine spitzige verwandeln, Zumeist geht die Zerspaltung
 beim Rückenlobus zuerst vor sich, welcher schon zerspalten
sein kann, während die anderen Loben erst die Ansätze hierzu zeigen,
 und verbreitet sich dann auch auf die Seitenloben. Es ist
dieser Vorgang schon bei dem tiefer liegenden Ceratites nodosus
zu beobachten, noch deutlicher bei dem Ammonites semipdrtitus,
welcher offenbar der Nachfolger des ersteren ist und dem wohl wegen
seiner schon mehr zerspaltenen Loben, seiner flacheren an Ammoniten
 erinnernden Scheibe der Näme eines Ammoniten beigelegt worden
 ist, obwohl er sonst im allgemeinen seinem Vorgänger durchaus
gleicht. QuEenxstepT bildet in seiner Petrefaktenkunde Taf. 42 einen
Amm. dux aus dem Hauptmuschelkalk von Rüdersdorf ab, welcher
schon vollständig zerspaltene Loben zeigt. Welcher Vorteil freilich
für das Thier damit verknüpft war, wenn es zerspaltene Loben hatte,
lässt sich jetzt nur annähernd vermuten. Sicher ist, dass dadurch
die Anheftungslinie des Tierkörpers an die von ihm erbaute Schale
um ein vielfaches verlängert, und somit der Halt des Tierkörpers
innerhalb seines Hauses ein viel festerer wurde. War letzteres aber
der Fall, so musste das Tier auch ebendamit energischere Schwimmbewegungen
 aysführen können und würde das einen wesentlichen
Fortschritt für das Tier bedeuten. Oder war mit dieser Lobenzerspaltung
 vielleicht der innere Aufbau des Gehäuses ein vereinfachter,
was sich jetzt freilich nicht mehr leicht wird ermessen lassen, und
kann es genügen auf diese Thatsache behufs weiterer Untersuchungen
aufmerksam gemacht zu haben.

a
GC.
            
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