Volltext: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 45, 1889)

Nekrolog
des Grafen Kurt von Degenfeld-Schonburg.
Von Pfarrer Dr. Engel in Kislingen.
An einem der sonnigsten Tage des nach langem und hartem
Winter endlich ins Land gekommenen Lenzes, am 14. Mai 1888,
trugen wir einen Mann zu Grab‘, dessen Namen und Gedächtnis,
dessen Wirken und Schaffen es wohl verdient, auch an dieser Stelle
den Freunden und der Nachwelt erhalten zu bleiben: Kurt AuGustT
FERDINAND CHRISTOPH, Grafen von DEGENFELD-SCHONBURG, KEhrenritter
des Johanniterordens ete., der nur allzurasch und allzufrüh aus dem
Leben geschieden und‘ den Seinen entrissen ward. Geboren den
1. Jan. 1838 in dem Schloss seiner Ahnen zu Eybach bei Geislingen
als der Sohn des 7 Grafen MAxımıLIAN FRIEDRICH CHRISTOPH MARTIN
und der AuGustE, geb. Gräfin von NorMAnn-EHRENFELS, verlebte er
seine ersten Kinderjahre in dem stillen, lauschigen Waldthal der
Heimat. Die hochragenden Mauern des Himmelsfelsen, an dessen
Fuss das DEGcEnrFELD’sche Schloss errichtet ist, die allzeit grünenden
Wiesen, von silbernen Bächlein durchströmt, die herrlichen Buchenwälder
 zu beiden Seiten des Thals und die krystallklaren, murmelnden
 Quellen, die überall unter samtweichem Moospolster hervorsprudeln,
 mögen schon frühe des Knaben Sinn für die Natur geweckt
und geschärft haben. Dazu kam, dass sein Oheim, der in den Annalen
 der schwäbischen Geologen unvergessene, allezeit heitere und
launige Graf von MANnDELSLOHE viel in dem elterlichen Hause verkehrte
 und ohne Zweifel dem empfänglichen Knaben Liebe und Anleitung
 gab insbesondere zum Beobachten der Gesteine und Sammeln
 der Petrefakten, daran ja die Umgebung von Geislingen so
reich ist. Liegt doch in der Sammlung des Verewigten noch heute
eine Anzahl von Versteinerungen mit den Originaletiketten, von der
Hand seines Oheims geschrieben, die stets als eine Art Heiligtum
angesehen und vor jeder Verrückung fast ängstlich gehütet wurden.
Noch mochten es damals nur kindische Spielereien sein, wenn der
Knabe seine Ammonshörner und Teufelsfinger, seine Terebrateln und
Pentakriniten in die Schubladen legte, Spielereien, die bald anderen
und ernsteren Dingen Platz machen mussten, als er von dem idyllischen,
 weltabgeschiedenen Erdenwinkel in das Geräusch der Haupt-
	        
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