Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 52, 1896)

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Sitzung vom 12. März 1896. 
Den Hauptvortrag hielt Prof. Dr. Hell über das Argon. In 
der denkwürdigen Sitzung der englischen Royal Society vom 31. Januar 
vorigen Jahres wurden zuerst von Lord RAyYLEIGH und W. RAMsAY aus- 
führliche Mitteilungen über diesen neuen Bestandteil unserer Atmo- 
sphäre gemacht. Die neue Entdeckung ist nicht dem Zufall zu ver- 
danken, sondern die Frucht langjähriger mühevoller, von den genauesten 
Messungen begleiteter Untersuchungen über die Dichte der hauptsäch- 
lichsten Gase, welche schon 1882 von Lord RAYLEIGE in Aussicht ge- 
stellt wurden. Nachdem zuerst der Wasserstoff und Sauerstoff in dieser 
Hinsicht eingehend untersucht waren und dabei die Zusammensetzung 
des Wassers aufs genaueste festgestellt war, beobachtete Lord RaAy- 
LEIGH, als er seine Untersuchungen auf den Stickstoff ausdehnte, dass 
der aus der Luft abgeschiedene Stickstoff immer etwas schwerer war, 
als der aus chemischen Quellen, Salpetersäure, Ammoniak, Harnstoff 
u. s. w. erhaltene. Die Differenz war zwar erst in der 3. Dezimale 
bemerkbar, aber es war Grund genug, der Sache näher nachzuspüren. 
Nachdem nachgewiesen war, dass der leichtere Stickstoff nicht etwa 
durch Wasserstoff verunreinigt sein konnte, und nachdem Diffusions- 
versuche ergeben hatten, dass der atmosphärische Stickstoff hierbei an 
Dichte zunahm, musste in dem aus der Luft gewonnenen Stickstoff die 
Anwesenheit eines schweren Gases angenommen werden. Die beiden 
Forscher wiederholten zunächst die schon von CAvENDISH ausgeführten 
Versuche, den Stickstoff im Gemenge mit Sauerstoff durch die Wirkung 
des elektrischen Funkens in Salpetersäure überzuführen, und überzeugten 
sich, dass, wie schon CAvEnDIsE es beobachtet hatte, etwa !/100 des 
Stickstoffs unverbunden mit dem Sauerstoff blieb. Zur Darstellung in 
grösserem Massstab wandten sie als Absorptionsmittel für den Stickstoff 
rotglühendes Magnesium an, über welches der Stickstoff so lange ge- 
leitet wurde, bis keine Absorption mehr zu bemerken war. Das so 
erhaltene indifferente Gas war verschieden von allen bisher bekannten. 
Es erhält wegen seiner geringen Neigung, Verbindungen einzugehen, 
den Namen Argon. Seine Dichte erwies sich als nahe an 20 (Wasser- 
stoff — 1), sein Spektrum ganz charakteristisch und verschieden von allen 
bisher bekannten gasförmigen Elementen. Das Auftreten von 2 Spektren 
je nach der angewandten Stromstärke, sowie die verschiedenen Glimmer- 
erscheinungen am positiven und negativen Pol deuten möglicherweise 
darauf hin, dass ein Gemenge von zwei gasförmigen Körpern vorliegt, 
während die Bestimmung der kritischen Konstanten durch OLzEwsKgI in 
Warschau zu gunsten eines einheitlichen Körpers sprechen. Von be- 
sonderer Bedeutung ist, dass das Verhältnis der beiden specifischen 
Wärmen bei dem Argon, wie bei dem einatomigen Quecksilberdampf 
den theoretischen Wert von °/s ergiebt, wie er sich aus der kinetischen 
Gastheorie unter der Voraussetzung berechnet, dass die gesamte als 
Wärme zugeführte Energie in kinetische Energie der fortschreitenden 
Bewegung der Gasteilchen sich verwandle. Bei allen andern Gasen ist
	        

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