Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 52, 1896)

U XCI = 
dies Verhältnis kleiner gefunden, weil deren Gasmolekel noch aus 
Atomen zusammengesetzt sind und ein Teil der Gesamtenergie auch 
zu einer Arbeitsleistung innerhalb der Molekel verwendet wird. Würde 
man diesem Resultat eine massgebende Bedeutung beimessen, so müsste 
man die Argonmoleküle auch einatomig annehmen und bei der Dichte 
=— 20 das Atomgewicht =— 40 voraussetzen. Dadurch kommt man aber 
in Widerstreit mit dem periodischen System der Elemente. Für ein 
Element vom Atomgewicht 40 ist kein Platz im System mehr vor- 
handen; eher wäre es noch denkbar, dass ein an das Fluor sich an- 
schliessendes Element mit dem Atomgewicht von etwa 20 existiert. Es 
wäre sogar zu erwarten, dass noch zwei weitere Elemente von ungefähr 
diesem Atomgewicht und durch grosse Indifferenz ausgezeichnet auf- 
gefunden werden. Es ist aber auch nicht undenkbar, dass in dem Argon 
eine besonders indifferente Modifikation des Stickstoffs, ein Stickstoff- 
molekül von drei Atomen vorliegt, obgleich gegen diese Annahme bis 
jetzt noch der sehr gewichtige Einwand besteht, dass dann die Dichte 
= 21 sein sollte und bis jetzt auch bei dem reinsten Argon eine grössere 
Dichte als 20 nicht beobachtet worden ist. Eine Entscheidung darüber 
zu treffen, was das Argon ist, ob ein neues Element oder nur drei- 
atomiger, besonders indifferenter Stickstoff, wird erst möglich sein, wenn 
Verbindungen desselben hergestellt sein werden, und dass solche sich 
erhalten lassen, scheint aus den Beobachtungen von BERTHELOT und 
RaAmsAY hervorzugehen. An den hochinteressanten Vortrag schloss sich 
noch eine kurze Diskussion, in welcher einzelne Punkte noch weiter 
erörtert wurden. 
Als zweiter Redner besprach Prof. Dr. Leuze, unter Vorlegung 
der Gegenstände interessante Versteinerungen, die in kalkhaltigem 
Wasser auf künstliche Weise gewonnen werden. Bekannt sind die confetti 
di Tivoli, wie auch die mit Kalk überkrusteten Abschiedsbouquete von 
Karlsbad. So gewann auch Dr. ScCHNITZER in dem Bache, der bei An- 
hausen und Rappolden vorüberfliesst, hübsche Kalkniederschläge von 
Broschen, Münzen u. s. w. Besonders schön in dieser Art ist das Ab- 
schiedsgeschenk, dass die Hoteliers von Nizza dem Scheidenden mit nach 
Haus geben. Man legt einen Teller bedeckt mit Trauben, Schnecken- 
häusern, Schalen von Miesmuscheln, Austern in das Wasser einer von 
Nizza einige Stunden gegen Norden zurückliegenden Grotte St. Andre 
und in wenigen Stunden sind alle diese Gegenstände von einer 1 bis 
2 mm dicken, schneeweissen Kalkkruste überzogen, aus der zierliche 
Rhomboederchen ihre Spitzen herausstrecken; ein reizendes Beispiel von 
Kalkabscheidung in krystallinischer Form aus kalkhaltigem Wasser. 
Ausserordentliche Sitzung vom 1. Februar 1896, 
Dem allgemeinen Interesse Rechnung tragend, welche die Ent- 
deckung Prof. RönreEn’s überall wach rief, hielt der Verein am ge- 
nannten Tag einen ausserordentlichen Vortragsabend, in welchem Prof, 
Dr. Koch einen Vortrag über die Röntgen’sche Entdeckung-rhielt.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.