Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 52, 1896)

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Der Vortragende begann mit einer kurzen Erklärung des Begriffs der 
Induktionsströme hoher Spannung, wobei er an einigen Experimenten, 
wie Luftdurchschlagen in Funkenform, das Wesen derselben erläuterte, 
und wandte sich dann zu näherer Besprechung der Verhältnisse in 
evakuierten Röhren. An einer Reihe von den bekannten GErssLER’schen 
Röhren zeigte Redner, wie beim Durchschlagen des Funkens durch diese 
luftverdünnten Röhren eine lange leuchtende Strecke entsteht und wie 
der grössere Teil der leuchtenden Röhre von dem Anodenlicht einge- 
nommen wird, während da, wo der negative Pol, die Kathode, sich be- 
findet, in geringer Ausdehnung ein Lichtschein, der als Glimmerlicht 
bezeichnet wird, sich findet. Werden diese GEIssLER’schen Röhren noch 
stärker luftleer gemacht, so treten sehr eigentümliche Erscheinungen 
auf. An der Kathode entsteht ein dunkler Raum und das Kathoden- 
licht breitet sich in der Richtung der Röhre auf Kosten des positiven 
Lichtes aus. Zugleich aber gehen von der Kathode Lichtstrahlen aus, 
die man als Kathodenstrahlen bezeichnet. In einer ganzen Reihe sehr 
instruktiver Experimente demonstrierte Redner diese Kathodenstrahlen 
und ihre Eigenschaften; dieselben besitzen eine geradlinige Ausbreitung 
und sind schattenerzeugend; durch den Magneten werden sie abgelenkt; 
sie besitzen Wärmewirkung und darauf beruht auch eine schein- 
bare mechanische Wirkung, und ferner haben sie auch Fluorescenz- 
und Phosphorescenzwirkung. Die Erwähnung dieser Eigentümlichkeit 
giebt Redner zugleich Gelegenheit zu einem kurzen Exkurs über Fluores- 
cenz. Während diese Vakuumröhren, in welchen Kathodenstrahlen ent- 
stehen, von Hırrorr herrühren und nach ihm Hırrorr’sche Röhren ge- 
nannt werden, führen sie ihren Namen CrooxE’sche Röhren nach CRooKE, 
der eine Erklärung der Natur der Strahlen dahin gab, dass er sie als 
elektrisch geladene Gasmoleküle betrachtete, die bis zur Gefässwand 
fortgeschleudert wurden und hier durch ihre Stösse Fluorescenz er- 
zeugten. Diese Theorie hat sich jedoch als unhaltbar bewiesen und 
wurde gänzlich widerlegt durch LEnARD, dem es gelang, die Strahlen 
aus dem Vakuum heraus in die Atmosphäre zu leiten, nachdem schon 
vorher durch HErtz nachgewiesen war, dass Metalle in dünnen Schichten 
die Kathodenstrahlen durchlassen. Gefunden wurde von LENARD, dass 
die Kathodenstrahlen sich diffus im Raum ausbreiten. Fasst man LE- 
NARD’s Resultate zusammen, so findet man für die Kathodenstrahlen fol- 
gende bemerkenswerte Eigenschaften: 1) Die Kathodenstrahlen dringen 
durch dünne Metallschichten; 2) sie gehen auch durch andere feste Körper, 
aber nur in sehr dünnen Schichten; 3) alle Strahlen der gleichen 
Art werden durch den Magneten in gleicher Weise abgelenkt; 4) dies 
involviert, dass in den Kathodenstrahlen Strahlen verschiedener Art 
vorhanden sind; 5) Kathodenstrahlen sind photographisch wirksam (wie 
GOoLuDSTEIN nachgewiesen), sogar durch eine Kartonschichte von 0,3 mm 
Dicke; 6) Kathodenstrahlen üben entladende Wirkungen aus; 7) sie werden 
in Luft stark absorbiert. Es lage nun nahe zu untersuchen, ob nun 
gewisse dieser Strahlen überhaupt aus dem Vakuum heraustreten, und 
auf diesem Weg kam vielleicht RönTtGEn su seinem wunderbaren Ex- 
periment. Die von ihm nachgewiesenen und entdeckten Strahlen ent-
	        

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