Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 52, 1896)

NOV 
Den zweiten Vortrag hielt Sanitätsrat Dr. Steudel über In- 
sekteneinschlüsse in ostafrikanischem Kopal. Ähnlich, 
wie es von dem aus der Ostsee und deren Küstenländern in grossen 
Mengen gewonnenen Bernstein allgemein bekannt ist, finden sich in dem 
ebenfalls fossilen, wenigstens subfossilen ostafrikanischen Kopal nicht 
selten Reste der damals bestehenden Fauna und Flora eingeschlossen; 
nach erfolgtem Schleifen des schön durchsichtigen Materials ist eine 
genauere Untersuchung der organischen Individuen möglich, Es scheint 
auch, dass die störende Anwesenheit zahlreicher Luftblasen beim Kopal 
viel seltener ist, als beim Bernstein. Entsprechend dem in dem Gebiete 
des Kopals, einer 1'/2 Meilen breiten Küstenstrecke zwischen dem 5. und 
15. südlichen Breitengrade, herrschenden Klima gehören die vorgefundenen 
Insekten einer wesentlich anderen Fauna an, als die baltischen Bernstein- 
einschlüsse. Es liegen mir, fuhr der Redner fort, nur 4 geschliffene Kopal- 
stücke aus Ostafrika vor, nebst einer Anzahl ungeschliffener afrikanischer 
Kopale, welche durch die Gefälligkeit der Direktion des K. Naturalien- 
kabinets zu Ihrer Ansicht eingeschickt wurden. Die Insekten wurden, 
so gut es möglich war, untersucht und gehören, wenn auch nicht den 
heute noch lebenden Arten an, doch sind sie durchweg so nahe ver- 
wandt mit jetzt existierenden Typen, dass sie in die heutigen Familien 
und Sippen ohne weiteres eingereiht werden können. Ich führe fol- 
gende an: 
1. Eine sehr vollkommen mit allen äusseren Organen bis zu den 
feinsten Haaren und Borsten erhaltene Spinne aus der Familie der 
Attiden resp. Saltigraden oder Hüpfspinnen, welche der jetzt lebenden, 
an afrikanischen und indischen Küsten sich findenden Art Hasarius 
Paykulli Avp. sehr ähnlich ist. Diese Spinnen erhaschen ihre Beute 
nicht durch Netze, sondern im Sprunge und halten sich an Wänden, 
Stämmen, Felsen, Mauern und Zäunen auf. Das Stück ist ein aus- 
gebildetes Männchen. 
2, Eine zu den Musciden gehörige bräunliche Diptere in der Grösse 
der bekannten blaugrauen Fleischmücken. Nach dem Bau der Fühler 
und der Zeichnung des Rückens gehört sie in die Verwandtschaft der 
Sarcophila und auch der Musca domestica, unserer Stubenfliege. 
3. Eine ebenfalls zu den Musciden gehörige Fliege in 5 Ex- 
emplaren. Ihre Körperform lässt sie als eine Phora oder Buckelfliege 
erkennen; sie ist etwa */z so gross als unsere Stubenfliege, sehr viel 
grösser als die unseren Bienenzüchtern als Erzeugerin der Faulbrut in 
den Bienenstöcken unliebsam bekannte Phora incrassata. Diese Phora- 
Arten sind durch ihren gewölbten Rücken, gebogenen Hinterleib, sehr 
raschen Gang auf Blättern und ihren kurzen Flug bekannt. Die Lebens- 
weise der Larve ist bei den meisten Arten unbekannt; eine Art fand 
sich als parasitische Larve im Hinterleib eines Schmetterlings, des 
Windenschwärmers. 
| 4. Eine männliche geflügelte Termite mit nach hinten zusammen- 
gelegten Flügeln in der Länge von 16 mm, davon kommen etwa 7 auf 
Kopf und Leib. Sie ist etwa !/z2 so gross, als die in Ostafrika jetzt 
häufig vorkommende Art Termes bellicosus.
	        

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