„388 —
Stellung am „Pflanzen-Cabinet“ zugleich als Aufseher über den
botanischen Garten und 1812 zum Oberaufseher der Königl. Gärten,
Plantagen, Treibhäuser und Baumschulen in Stuttgart, Ludwigsburg,
Monrepos, Freudenthal und Hohenheim bestellt. Seine Thätigkeit
am Naturalienkabinet war jedenfalls ein Nebenamt; wie lange er
dieses ausübte, konnte ich nicht ermitteln; möglicherweise geschah
dies nur bis 1797, denn in diesem Jahre wurde, nachdem Winmann
fast gleichzeitig mit AurEnrıEra's Weggang nach Tübingen der „Aufsicht
über das Mineralien-Cabinet enthoben“ worden war, die Verwaltung
des gesamten Kabinets dem Hofmedikus Dr. CArı CHRISTOPH
FRIEDRICH JÄGER übertragen, welcher übrigens seine medizinische
Praxis nebenher fortsetzte. Da seine sich stets häufende Berufsthätigkeit
und die Übernahme anderer Pflichten, besonders seit seiner
Ernennung zum konsultierenden Leibarzt und Obermedizinalrat, ihm
für die Verwaltung des Naturalienkabinets schliesslich keine Zeit
mehr liessen, trat er von dieser Stellung 1817 zurück; zu seinem
Nachfolger wurde sein Bruder, „der ausübende Arzt“ Dr. Gzore
FRIEDRICH JÄGER ernannt.
In dem gleichen Jahre wurde eine für eine Reihe Anstalten
bedeutungsvolle Anordnung getroffen, in dem durch Königl. Reskript
vom 17. Februar 1817 als neue Behörde die „Direction der wissenschaftlichen
Sammlungen des Staates“ geschaffen und das Münz-,
Medaillen- und Kunstkabinet, das Naturalienkabinet und die öffentliche
Bibliothek dieser Behörde unterstellt wurden. Als erster Direktor
wurde KırLMmAYER von Tübingen nach Stuttgart berufen unter
gleichzeitiger Ernennung zum Staatsrat.
An diesem wichtigen Abschnitt der Geschichte unseres Naturalienkabinets
nehmen wir einstweilen von den Vorständen desselben
Abschied, um uns umzusehen, in welcher Weise unsere Sammlungen
untergebracht waren, ehe sie ihr jetziges Heim bezogen.
Zuerst finden wir die Kunstkammer im sogen. alten Lusthaus!;
von der Aufstellung daselbst ist uns sogar ein Bild durch Som überliefert.
Hier blieb sie ein volles Jahrhundert ; das zwar ohne Druckjahr
erschienene, aber etwa ins Jahr 1740 zu setzende Büchlein
„Kurtze Beschreibung desjenigen, was von einem Fremden in der
* Das alte Lusthaus stand im Fürstl. Lustgarten an der Stelle des jetzigen
Neuen Schlosses und wurde aus Veranlassung des Baues von diesem abgebrochen.
Den Namen altes Lusthaus führte es seit Herzogs Ludwig Zeit zum Unterschied
von dem durch diesen erbauten neuen oder grossen Lusthaus (ef. Stälin,
le. p. 388).
AUS