Hierzu ist zu bemerken, dass in Russland der Ausdruck „postglacial“
auch für Bildungen angewendet wird, die noch in die Glacialzeit
fallen, aber jünger sind als die Spuren der einzigen nachweisbaren
und unserer älteren Eiszeit entsprechenden Vereisung. Der
Vortragende gliedert dieselben Schichten in folgender Weise *:
Jenissei-Tundra Anabar Neusibirische Inseln
N Aufeis und Tundra Tundra Tundra
Interalacial I Süsswasser- Süsswasserschichten und
? schichten Mammut
I. Glacial Vereisung Vereisung Vereisung
Moräne und Inlandeis gehören zusammen in eine Stufe. Die
in den Spalten des Eises abgelagerten Lehme sind wohl in zeitlich
unmittelbarem Anschluss gebildet, denn eine lange Entblössung hätte
das nicht mehr wachsende Inlandeis nicht ausgehalten. Sie entsprechen
somit unseren Interglacialbildungen. Die Ausbildung der
Tundra fällt in das jüngste Glacial und Postglacial.
Das Ursprungsgebiet des Mammuts und seiner Begleiter ist das
Innere Asiens. Aus der südostasiatischen Tertiärfauna abgezweigt,
mögen sich diese Tiere zuerst auf rauhen Hochebenen im Klima gestählt
haben, so dass im Verlauf der Eiszeit die halbe Welt ihnen zugänglich
wurde, während empfindlichere Organismen flüchten mussten.
Die ersten Einwanderer in Europa sind hier früher eingetroffen als
am Nordsaume Asiens, obwohl ja die Möglichkeit vorliegt, dass auch
unter dem Steineise ihre Reste zu Tage kommen würden. Die
Interglacialzeit hat ihre Hauptwanderung veranlasst, hier sehen wir
sie selbst jenseits der Alpen.
Die bedeutendere Ausdehnung der Vegetation (Alnus etc.) nach
Norden zur Mammutzeit ist kein genügender Beweis für ein wesentlich
weicheres Klima. Es ist für die Pflanzen oft schwer, ein ihnen
einmal geraubtes Gebiet wieder zu erobern, ohne dass gerade eine
Änderung klimatischer Faktoren hier eine Rolle spielt. So dürfte
auch der verschiedene Verlauf der Baumgrenze sich mehr historisch
beurteilen lassen.
Nach der Eisbedeckung Mitteleuropas und Skandinaviens erfolgte
* Verg]l. Naturwiss. Rundschau. 1896. S. 239.
Leer