Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 53, 1897)

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Die Gattung Hedraeanthus DC. bildet einen Übergang zu denjenigen
 Campanulaceen, bei welchen die Blüten sich zu Blumengesellschaften
 vereinigt haben; bei einigen Arten nämlich, wie H. Pumilio
 DC. und H. serpyllifolius DC., stehen die Blüten einzeln an
den Zweigenden, bei anderen, wie H. Kitaibelti DC. und H. graminifolius
 DC., sind sie einzeln oder aber kopfig zusammengedrängt und
bei H. tenuifolius DC. und H. caudatus RcHnB. sind sie immer zu
kopfigen Inflorescenzen so dicht vereinigt, dass die inneren Hochblätter
 unterdrückt werden. Immer stehen die Blüten aufrecht.
H. tenuifolitus DC. (Hohenheim, botanischer Garten, 23. 5. 93) zeigt
im wesentlichen dieselbe protandrische Blüteneinrichtung, wie Campanula;
 die Blüten sind zu grossen endständigen Köpfen zusammengeordnet
 und haben eine Krone von hellblauer Farbe, deren Zipfel
gerade ausgestreckt sind oder etwas zusammenneigen. Der Griffel
hat die Länge der Krone und spaltet sich an seinem Ende in zwei
Narbenäste, die sich zwar bogig nach unten krümmen, aber die
Oberfläche des Griffels mit ihrer Spitze nicht erreichen, so dass anscheinend
 spontane Selbstbestäubung nicht stattfinden kann. Die
Blüten wurden von Honigbienen besucht.
Wesentlich modifiziert erscheint nun der Campanula-Blütentypus
 bei der Gattung Trachelium L., insofern als die bei Campanula
 der Befruchtung durch Bienen und Hummeln angepasste Blüte
hier zu einer Falterblume umgeprägt ist. Eine ausführliche Schilderung
 der Blüteneinrichtung von Trachelium caeruleum IL. giebt DELrpıNo!.
 Die Blüten sind, im Gegensatze zu Campanula, klein, aber
in aufrechter Stellung zu ebenen Trugdolden von bedeutenden Dimensionen
 zusammengestellt und auch durch ihre blaue Farbe hinreichend
 augenfällig. Auf dem Fruchtknoten steht die (nach Herbarexemplaren
 4—6 mm lange) enge und zarte Krone mit trichterförmigem
 Saume und verhältnismässig langem, sehr dünnem, röhrigem
Tubus. Bevor die Blüte sich öffnet, befinden sich die auf feinen
Filamenten stehenden Antheren in dem engen Schlunde der Krone
und füllen ihn ganz aus, der Griffel ist an seinem Ende kopfig verdickt
 und daselbst mit aufrechten und festen einzelligen Haaren besetzt,
 welche vermittelst einer zwiebelförmigen Basis in die Epidermis
eingefügt sind. Das Griffelende steht jetzt in der Kronröhre unterhalb
 des Antherenkreises. Nun aber beginnt der Griffel schnell heranzuwachsen
 und stemmt sich, da sein Ende das durch die Antheren
1 F, Delpino, Ulteriori osservazioni etc. I. 2. S. 22 ff,
            
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