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eine ganz ähnliche Schwankung auf anderem Wege entdeckt und
zugleich in höchst interessanter Weise erklärt‘. Der Direktor der
Sternwarte von Uccle bei Brüssel, Professor FoLız, sowie der dortige
Astronom ByL, haben aus vieljährigen Ortsbestimmungen von Fixsternen,
die auf den Sternwarten in Dorpat und Pulkowa gemacht
waren, eine kleine Abweichung im Gang der Erdrotation abgeleitet,
deren Betrag und Periode mit der Tagesschwankung des Horizontalpendels
in guter Übereinstimmung ist. Forim hat die Berechnung
angestellt, da er aus theoretischen Gründen vermutete, dass die Erdachse
eine Nutation von täglicher Periode aufweisen müsse. Es hatten
nämlich die besonders seit einem Jahrzehnt von den Astronomen
beobachteten kleinen Schwankungen der Polhöhe es sehr wahrscheinlich
gemacht, dass die Rotationsachse der Erde sich nicht genau mit
ihrer Hauptträgheitsachse decke. Wenn dem so ist, so müsste auch
eine kleine tägliche Nutation, d. h. Schwankung der Rotationsachse
der Erde existieren, durch welche in die Deklinationen und Rektascensionen
der Gestirne kleine tägliche Fehler kommen. Hier haben
wir zunächst Schwankungen der Lotlinie in Beziehung auf deren
Richtung im Weltraum, aber mit diesen Schwankungen der Lotlinie
nach aussen, vermutet nun FoLıE, müssen auch Schwankungen der
Lotlinie nach innen, eine tägliche Schwankung der Richtung nach
dem Anziehungsmittelpunkt der Erde verbunden sein, falls die Schwerpunkte
der festen Erdkruste und des flüssigen Erdinnern nicht zusammenfallen,
so dass die Trägheitsachse der einen sich täglich um
diejenige des andern umdrehen würde. FoLm erwähnt die Versuche
REszeur’s und EnLErt’s nicht, so wenig REBEUR oder EHLERT von FoLIE’s
Theorie Kenntnis hatten. Aber Fo1mE bezieht sich auf die Versuche
von PLANTAMOUR und von D’ABBADIE, die, wie oben erwähnt, bereits
die Tagesschwankung der Lotlinie entdeckt hatten.
Die Aufstellung von Horizontalpendeln an andern Erdorten wird
künftig zeigen, ob man es mit einer von der Ortszeit abhängigen
Erscheinung zu thun hat, wie das die Theorie EHLERT’s voraussetzt,
oder ob der Tagesschwankung ein von der Ortszeit unabhängiges terrestrisches
Phänomen zu Grunde liegt entsprechend der Theorie FoLI1E’s.
Ein Einfluss der Temperaturschwankungen als schwächere
Nebenursache scheint mir immerhin erklärlich durch eine besondere
Vermutung. Während die täglichen Temperaturwechsel die Funda-1
Annuaire de l’Observatoire royal de Belgique par J. Jolie 1896, S. 262,
263, 273, 274, 326—330.
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