ZU
mente des Pfeilers in 5m Tiefe und diesen selbst in seinem kellerähnlichen
Raum unbeeinflusst lassen, ist es nicht ausgeschlossen,
dass der Tisch. auf welchem der Registrierapparat steht, samt dem
Boden und vielleicht samt dem nicht sehr tief fundierten Gebäude
und dessen umgebenden Erdreich mit dem wechselnden Stand der
Sonne horizontale Verschiebungen erleide. Die Walze ist vom Spiegel
1,84 m entfernt, 1 mm Bodenverschiebung ist daher einer Drehung
des Horizontalpendels um 56“ gleichwertig, was je nach dem Betrage
des kleinen Winkels zwischen Drehachse und Lotrichtung 0,03“ bis
0,09“ scheinbarer Ablenkung der Lotrichtung entsprechen mag. Es
genügen also Längen, die weniger als ein halbes Millimeter betragen,
um welche die oberflächlichen gegen die 5 m tiefen Bodenschichten
sich verschieben mögen, um den sekundären Einfluss der Temperatur
auf die Tagesschwankung des Pendels zu erklären.
Als weitere rätselhafte Erscheinungen seien noch die Erdpulsationen
erwähnt, die nach übereinstimmender Ansicht MıLnr’s,
REBEUR’S und EuHLErt’s mit den barometrischen Gradienten in noch
unerklärter Weise zusammenhängen, aber auch von den Jahreszeiten
abzuhängen scheinen, während die eigentlich mikroseismischen Beobachtungen,
wie das schon die italienischen Seismologen erkannten,
vielfach auf Erschütterungen des Bodens durch Windstösse zurückzuführen
sind. In die vielen noch unaufgeklärten Fragen und damit
in unsere Kenntnis vom Zustande des Erdinnern werden die Fortschritte
der Beobachtung Licht bringen.
Bereits hat Dr. EuLEerTt, welcher der Sache die vollste Hingebung
widmet, das eine Strassburger Horizontalpendel durch drei
nach verschiedenen Himmelsrichtungen orientierte Pendel von noch
verbesserter Konstruktion ersetzt und dem dreifach dienenden Papierstreifen
die doppelte Geschwindigkeit, also 22 mm in der Stunde
gegeben, wodurch rasch verlaufende Ausschläge und Wellen deutlicher
sich darstellen. Wünschen wir dem neuen Priester des Horizontalpendels,
dass dieses sich an tragischen Menschenlosen erschöpft habe
und seinem jetzigen Diener reichliche Früchte der Beobachtung noch
viele Jahre hindurch zufallen mögen.
Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1897.
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