Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 53, 1897)

— LXVII --gekräuseltes
 Haar und grosse Zähne. Der Urwohnsitz dieser zweiten
Rasse weise auch auf Centralasien, und zwar auf den südlichen Teil
hin, und vermutlich weisen beide Primärmassen auf eine einzige Urrasse
 hin, von der jedoch wissenschaftlich noch nichts bekannt sei.
Bezüglich des Tertiärmenschen betonte der Redner, dass schon vor
30 Jahren der französische Abbe BoureGkors aus Artefakten, die er in
bestimmten Schichten gefunden hatte, die Dokumente für das Vorhandensein
 eines Tertiärmenschen erbracht zu haben glaubte. Die
schwierige Frage sei eben die, ob diese Artefakte durch Zufall oder
durch Menschenhand entstanden seien. Der Redner hält die Existenz
eines Tertiärmenschen für sehr fraglich und findet es auffallend, dass
Prof. Dr. Koxzen in Tübingen bei seiner Antrittsrede von einem „sicheren‘‘
Tertiärmenschen gesprochen habe, der in den Pampas Südamerikas gefunden
 worden sei. Koxzn’s Ansicht halte Redner durch ZırreEL’s Forschungen
 für widerlegt, der nachgewiesen habe, dass die Pampasschichten
 nicht dem Tertiär, sondern dem Diluvium angehören. Der
Redner kommt nun auf den von dem holländischen Arzt EuGEn Dvzoıs
auf Java in dortigen Tertiärschichten gefundenen Affenmenschen,
den sogen. „Pithecanthropus erectus“ zu sprechen, über den schon eine
ganze Litteratur entstanden, und bespricht dann eingehend die vier
gemachten Fundstücke, die nach der Ansicht ViRcHow’s keinem Menschen
angehören, dagegen vielleicht einer riesigen Form eines Gibbon, während
 nach HöLDER der gefundene Schenkelknochen einem Affen und
das gefundene Schädelfragment einem Menschen angehören würde. Die
interessanten Ausführungen des Redners gipfelten in folgenden drei
Schlussfolgerungen: 1. Es ist konstatiert, dass der Mensch als Fossil
in der Diluvialzeit zusammen mit dem Mammut und dem Höhlenbären
gelebt hat; 2. es ist ebenfalls konstatiert, dass der Mensch, wenigstens
nicht in Europa, autochthon, d. h. von selbst aufgetreten, sondern eingewandert
 ist, und zwar von einem gewissen Centralpunkt, vermutlich
aus Centralasien, und dass somit Asien die Wiege unseres Menschengeschlechts
 ist; 3. in Bezug auf das Menschengeschlecht sind wir ausser
stande, eine bestimmte Behauptung aufzustellen, ob der Mensch schon
zur Tertiärzeit gelebt hat. Der Tertiärmensch wird von der überwiegenden
 Mehrzahl der Gelehrten geleugnet. Die Existenz von Übergangsstufen,
 Affenmenschen oder Menschenaffen, ist sehr fraglich. —
Kammerer Dr. Probst von Essendorf glaubt aus gewissen Fundstücken
(Geweihe und Holzkohle) in der oberen Süsswassermolasse schliessen
zu dürfen, dass es nicht ganz fraglich sei, ob hier ein tertiärer Mensch
gelebt habe oder ob diese Stücke durch Zufall die betreffende Gestalt
erhalten hätten. — Apotheker Dr. Leube zeigte zum Schluss noch
einige hübsche Fundstücke aus dem obersten Weissen Jura vor, die
Oberreallehrer GAuss von Ehingen zugesandt hatte, ferner sogen. Gallen,
die zum Teil ein älteres Gebilde enthalten, häufig auch Krystalle von
Kalkspat und Gyps. Bezüglich der sogen. Gallen weist Pfarrer Dr. Engel
darauf hin, dass dieselben in den grossen Lettensandsteinbrüchen im
Unterlande häufig vorkommen und nichts Ungewöhnliches seien. An
die Frage der Entstehung des Gypses in den Gallen schloss sich noch
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