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dass das Gehirn direkt vom Licht gereizt würde; woher dann die
Lichtwahrnehmung am Schwanzende? GRABER hält die Lichtwahrnehmung
für eine allgemeine Eigenschaft der Körperhaut, dann musste
sie gleichmässig über den ganzen Körper verteilt sein. NAcEL stellte
die Hypothese auf: da der Regenwurm mechanische, chemische, thermische
und Lichtreize empfindet, jedoch nur eine Art von Sinnesorganen hat;.
so müssen diese der Wahrnehmung aller jener verschiedenen Reizarten
dienen. können — doch seitdem sind noch weitere Sinnesorgane bei
diesen Würmern gefunden, einmal freie. Nervenendigungen in der Haut;
und dann. gewisse Sinneszellen, die der Vortragende entdeckte; sie
liegen teils in der Epidermis, teils unterhalb derselben, entsprechen in
ihrer Verteilung ganz der Verteilung der Lichtempfindlichkeit über den
Körper des Wurmes, indem sie. am Hinter- und besonders am Vorderende
des Körpers zahlreich, an den übrigen Körperringen jedoch nur
spärlich vorhanden sind und setzen sich nach der einen Seite in eine
Nervenfaser fort, während ihr Zellkörper ausser dem Kern ein hell lichtbrechendes
Gebilde enthält, ähnlich wie die Sehzellen der Blutegelaugen ;
sie müssen als Organe der Lichtwahrnehmung angesehen werden. —
Das Pigment, das sich so häufig in den Augen der Tiere findet, dient
also nicht unmittelbar der Lichtwahrnehmung, sondern hat die Aufgabe,
das Licht von den.Sehzellen auf mehreren Seiten abzublenden und nur
den aus wenigen bestimmten Richtungen kommenden Lichtstrahlen den
Zutritt zu gestatten; dadurch wird es dem Tiere möglich, über die
Richtung, in. der die Lichtquelle sich befindet, einen Schluss zu ziehen.
— Die Stärke der Lichtwahrnehmung hängt von der Zahl der das Auge
zusammensetzenden Sehzellen ab; ihr entspricht keineswegs die Stärke
der Reaktion auf Beleuchtung; von zwei Arten von Strudelwürmern,
bei denen die eine 50, die andere 250 Sehzellen in jedem Auge hat,
flieht die erstere das Licht stärker als die leztere, wie Versuche lehren.
Die Reaktion auf das Licht hängt vielmehr von der Lebensweise der
Tiere ab, ist eine Lebensgewohnheit.
Dr. Krauss-Tübingen zeigte darauf eine Anzahl lebender
Gespenstheuschrecken (Phasmiden) vor, die er aus Bosnien
erhalten hatte. Diese sonderbaren Tiere gleichen in ihrer Gestalt und
Färbung grünen oder braunen Zweigen, und da sie am Tage gewöhnlich
sich bewegungslos halten, ist ihnen diese Ähnlichkeit in hohem
Grade schutzbringend. Des Nachts gehen sie auf Nahrungssuche aus
und fressen dann die Blätter von Rosen oder Cistrosen. Bemerkenswert
ist, dass die Männchen bei diesen Tieren zu den grössten Seltenheiten
gehören und bisher nur in zwei Stücken gefunden sind; es ist daher
wahrscheinlich, dass die Eier sich ohne Befruchtung entwickeln. Die
Eier werden nicht an besonderen Stellen abgelegt, sondern das Weibchen
lässt sie einfach fallen. Die vorgezeigten, in der Gefangenschaft gehaltenen
Tiere, legen schon seit vier Wochen täglich eine Anzahl Eier
ab. — Weiter zeigte Dr. Krauss eine vollständige Sammlung der um
Tübingen gefundenen Geradflügler vor; es sind 48 verschiedene
Arten. Einige Arten, die früher hier vorkamen, sind jetzt nicht mehr
zu finden, so die Gottesanbeterin (Mantis) und eine seltene Grillenart,