Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 55, 1899)

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klaffend, dort geschlossen, es ist kein plastisches Gebirge wie etwa 
Thon! Ganz nach der Ausbildung der Spaltentektonik ist daher ein 
solches Gebirge hydrologisch zu beurteilen. Für Friedrichshall ist 
dieses Gebirge als spaltenführend — ja z. T., reichlich spalten- 
führend — bekannt. Es ist auch gar keine Frage, wäre die 50 m 
mächtige Anhydritdecke in Friedrichshall nicht brüchig gewesen, 
hätten sich auf diesen Brüchen nicht bereits die Wasser hindurch- 
gesucht gehabt, der Einbruch eines oder einiger Pfeiler in einem 
seitlichen, höchstens etwa 8 m hohen Abbaugebiet der Grube hätte 
nicht gleich die Wirkung bis zum Wassergebiete in der dolo- 
mitischen Hauptregion bei gerade ca. 56 m über dem Salzdache 
haben können! 
Gegenüber der Behauptung von W. v. Branco, die Anhydrit- 
decke dichte das Salz gegen die Kochendorfer Tiefenwasser gut ab, 
möchte ich doch folgendes in Erwägung geben: 
Die „Anhydritdecke“ besitzt Spalten und es sind in ihr 
in Friedrichshall gerade unmittelbar über dem Salze, und zwar bis 
zur Höhe von 21 m über demselben, Klüfte, allerdings ausgefüllt 
mit Fasersalz und Fasergips vorhanden gewesen. Es dokumentieren 
diese Gangbildungen zunächst nur eine frühere Thätigkeit des Was- 
sers, jedoch, Salz ist so leicht löslich, Gips ist jedenfalls nicht 
schwer löslich; wenn Wasser, unter starkem Druck stehend, gegen 
ein solches Gebirge andringt, und damit komme ich auf den Kern- 
punkt der ganzen Beurteilung, und dieses Gebirge Gleichgewichts- 
störungen erleidet, seien es Störungen rein geodynamischer Natur 
oder künstliche Störungen durch Schwerkraftswirkungen gegen Ab- 
bauräume hervorgebracht, so ist ein solches Gebirge spaltenbildend 
und gewiss nicht undurchlässig, sondern durchlässig, und zwar ins- 
besondere dann, wenn die Zerspaltung scharf entwickelt ist und 
durch das Steinsalzlager hindurchsetzt (etwa an Verwerfungen). 
W. v. Branco schreibt, wenn anstatt Anhydrit Thon vorliegen 
würde, würden sich die Verhältnisse bei Neubildungen von Spalten 
ähnlich, wenn nicht schlimmer, gestalten; ich bestreite dies für alle 
gewöhnlichen Fälle, denn die plastische Eigenschaft des Thones, die 
sofort eine Auspichung neuer Spalten erzeugen wird, kommt dem 
spröden Anhydrit nicht zu! Nur wenn es sich um sehr weite 
Klüfte handelt, das sind aber ganz ausserordentliche Fälle der 
Tektonik, trifft dies nicht zu! 
Ich habe in meinen Darlegungen davon gesprochen, dass eine 
Bedrohung des Grubenbaues Kochendorf dann wohl stattfinden würde,
	        

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