Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 55, 1899)

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wenn tief hinabsetzende Spalten mit dem Grubenbau angefahren 
werden. 
W. v. Branco glaubt zwar, solche Spalten müssten sich durch 
Vergipsung des Anhydrites oder durch Mineralabsätze geschlossen 
haben und beruhigt deshalb unmittelbar darüber. Gerade in diesem 
Punkte nun gehen die Anschauungen, ja die ganzen Ideenkreise, die 
sich an die wissenschaftliche Betrachtung der Sache nach aussen 
hin anreihen, wohl am weitesten von uns beiden auseinander! 
W. v. Branco sagt zwar S. 201 (S.-A. S. 71) selbst: „Wenn 
grosse klaffende Spalten durch ein wasserführendes Gebirge hindurch- 
setzen bis hinab in ein Bergwerk, so ist das eine sehr gefährliche 
Sache.“ 
Dieses „Wenn“ soll aber nicht ein „Wenn“ bleiben und das 
bleibt es bei W. v. Branco. Dieses „Wenn“ gehört geprüft an Ort 
und Stelle. 
W. v. Branco will ‚einfach auf „Gut Glück“ die Sache auf- 
genommen wissen! Ich nicht. Ich sage: Die Dienstbarmachung 
der praktischen Geologie zur Beantwortung einer praktisch so 
hochwichtigen Frage: „Sind tiefe, grössere Spalten bei Kochendorf 
vorhanden oder nicht?“ kann, ja sie muss gefordert werden. Was 
nützt denn alles gelehrte Hin- und Herreden, nur eine praktische 
Behandlung der Frage kann eine Bedeutung haben! — Unter einer 
solchen praktischen Behandlung der Frage verstehe ich aber eine 
durch besondere trigonometrische Höhenmessungen, unter Be- 
nützung alles vorliegenden, den Gegenstand behandelnden Akten- 
materials, überhaupt aller früheren Ermittelungen, welche in Betracht 
kommen können, unterstützte, richtige geologische Kartierung 
und zwar im Massstab der württembergischen Flurkarten 1: 2500. — 
In einem Falle, wie dem vorliegenden, wo es sich um eine Sache 
handelt, die bereits 2 Millionen Kostenaufwand aufweist, ist eine 
solche Arbeit gewiss angezeigt! Denn eine derartige Arbeit giebt 
auch allein das „Menschenmögliche“, was man thun kann, um 
einem Grubenbau, dem ein ganzes Land „Glück“ wünscht, 
eine gewisse Sicherstellung zu geben! 
Bezüglich des oben angeführten Branco’schen bisherigen „Wenn“, 
bemerke ich noch zum Schlusse meiner Ausführungen: 
Ich habe im Laufe der letzten Wochen die Gegend am unteren 
Neckar einer genauen Untersuchung unterzogen und ich bin derzeit mit 
einer, soweit es mir möglich ist, eingehenden Aufnahme der dortigen 
Lagerungsverhältnisse beschäftigt, schon heute aber kann ich sagen: 
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