Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

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Jassenen orangegelben Pollen in Berührung kommen; später wachsen 
die Griffel noch bedeutend heran und biegen sich abwärts zwischen 
die Antheren, zuletzt endlich strecken sie sich wieder gerade. Über 
den Eintritt von Selbstbestäubung äussert sich Cu. RoBErtson (Bot. 
Gazette. 1893, p. 271) folgendermassen: Der Pollen berührt (anfangs) 
nur die den geöffneten Antheren nahen Ränder der Narben, die 
meisten Narben sind daher frei von Pollen und können im Falle 
von Insektenbesuch wirksam mit fremdem Pollen bestäubt werden; 
nach dem Schliessen der Blüten biegen sich die Griffel nach aussen 
und unten und zwingen die Narben, sich zwischen den Antheren 
mit Pollen zu bedecken; vollständige Selbstbestäubung wird also 
nur durch die eigentümliche Bewegung der Griffel bewirkt und tritt 
erst ein, nachdem die Blüten dem Insektenbesuch ausgesetzt waren. 
Die Bewegung der Griffel bei der Gattung Hibiscus hat nach F. HıLDe- 
BRAND (Geschlechterverteilung, S. 21) MzEpicus schon im Jahre 1803 
beobachtet. RoBERtSsoN sah die Blüten nur einmal von einem Exem- 
plar von Pieris rapae L. besucht; ich bemerkte in den Blüten mehr- 
fach Honigbienen, die ganz mit Pollen bepudert waren. 
51. Hibiscus syriacus L. Die Blüten, von denen SPRENGEL 
(S. 350) Saftmal und Saftdecken erwähnt, und bei denen er Dicho- 
gamie vermutet, stimmen ausser der Blütenfarbe und längeren Blüten- 
dauer in ihrer Einrichtung mit denen der vorigen Art überein, ohne 
aber die ausgeprägte Abwärtsbewegung der Griffel zu zeigen. Die 
rot, lila oder weiss gefärbten Kronen breiten sich auf einen Durch- 
messer von ca. 9 cm auseinander; ihre Blätter tragen am Grunde 
einen dunkelroten Fleck und sind dort an den Seitenwänden mit 
weissen, wolligen Haaren besetzt. Zeichnung und Behaarung machen 
durchaus den Eindruck von Saftmal und Saftdecke, allein ich konnte 
weder an den in den Hohenheimer Anlagen (16. und 17. August 1892) 
bei sonnigem und heissem Wetter untersuchten Sträuchern, noch in 
Riva am Gardasee (4. September 1900) Nektar in den Blüten auf- 
finden. Die Blüten sind homogam; schon ehe sie sich öffnen, sind 
die weissen Griffel mit den ebenso gefärbten kopfigen Narben durch 
die weissliche Staubblattsäule hindurchgewachsen, und sobald die 
Blüte aufgeht, sind beiderlei Geschlechtsorgane entwickelt. Die 
Narben kommen anfänglich nicht mit Pollen in Berührung, und auch 
später krümmen sich nur in einigen Blüten einzelne Griffel so weit 
abwärts, dass sie den Pollen der obersten Antheren erreichen; ausser- 
dem kann in abwärts geneigten Blüten spontane Selbstbestäubung 
auch dadurch zu stande kommen, dass Pollen auf die Narben her- 
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