Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

kommen, in welcher sich früher die geöffneten hellbraunen Antheren 
befanden. Die Blüten wurden von zahlreichen Bienen, Fliegen, 
Schmetterlingen und Käfern besucht. 
63. Torilis nodosa Gaerıxn. Während in den Blüten von 
Torilis Anthriscus GueL. ausgeprägte, in denen von 7. infesta KocH 
schwache Protandrie vorhanden ist (vergl. Kuuru II, 1, S. 507 f.), 
sind die Blüten von 7. nodosa, die zu kleinen grünlichweissen, 
scheinbar blattgegenständigen und unscheinbaren Dolden zusammen- 
gestellt sind, homogam. Die Dolden haben nur einen Durchmesser 
von 10—15' mm und enthalten keine männlichen, sondern nur 
zwitterige Blüten. Deren Kronblätter breiten sich flach ‚aus, bewirken 
aber nur einen Durchmesser der ganzen Blüte von 2 mm; sie sind 
weiss mit eingebogener Spitze, oft mit einer grünen Mittellinie auf 
ihrer Innen- und Aussenseite. Griffel und Staubfäden sind sehr. kurz, 
die Narben rundlich, die Antheren von hellroter Farbe; auf dem 
hellgrünen Griffelpolster werden Nektartröpfchen abgesondert. Bei 
der geringen Entfernung, in welcher Narben und Antheren von ein- 
ander stehen, kann spontane Selbstbestäubung sehr leicht eintreten. 
Die Narben sehen noch frisch aus, nachdem die Staubblätter abge- 
fallen sind. "Trotz ihrer Unscheinbarkeit erfahren die Blütenstände 
Insektenbesuch (Kxutu a. a. 0.). 
64. Molopospermum cicutarium DC. Diese sehr ansehn- 
liche Umbellifere, nach VaucHer (a. a. O. II, p. 625) vielleicht die 
schönste aller bei uns einheimischen, ist andromonöcisch mit in der 
gewöhnlichen Weise protandrischen Zwitterblüten. Letztere finden 
sich in den Dolden 1. und 2. Ordnung, während die Dolden 3. Ord- 
nung nur männliche Blüten enthalten, in denen die weiblichen Organe 
verkümmert oder ganz fehlgeschlagen sind. VAucHER nennt die end- 
ständigen Dolden fruchtbar, die seitenständigen kleineren männlich. 
In der Farbe der Kronblätter scheinen Abänderungen vorzukommen, 
da sie an den im Hohenheimer botanischen Garten (31. Mai und 
18. Juni 1900) beobachteten Exemplaren hellgrün waren, während 
sie von VAucHER und in den floristischen Werken als weiss be- 
schrieben werden. Sie sind lanzettlich, zugespitzt, und fallen ab, 
wenn die vorher nach innen gebogenen Staubblätter sich nach aussen 
spreizen, um ihre Antheren zu öffnen; nach dem Abfallen ‚der Staub- 
blätter legen sich die Griffel auseinander und entwickeln ihre Narben. 
Staubfäden, Antheren, Griffelpolster und Griffel sind gelb gefärbt. 
65. Ptychotis heterophylla Kocm ist schon von VAUCHER 
(a. a. O. II, p. 565) als ausgeprägt protandrisch erkannt und treffend 
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