Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

aber sehr langsam, viel langsamer als in den letzten 50000 Jahren 
und namentlich, dass sie nicht hoch steigen, dass sie, ehe sie wirk- 
sam wird (z. B. bei 0,0200 oder 0,0250 bis 0,0300), Halt machen und 
wieder sinken werde, und dies ‚Vielleicht ein oder zweimal, bis sie 
wieder in ein rechtes Steigen bis zu 0,0575 oder gar 0,0778 kommt, 
und in diesem Falle wäre dann erklärlich, warum die Eiszeit erst 
in etwa 750000 Jahren zu erwarten wäre. — Wenn mir die LE Ver- 
RIER’schen und CroLr’schen Tabellen über die Werte der Excentri- 
cität vollständig zu Gebote ständen (ich habe leider nur Auszüge 
aus denselben), so wäre hieraus wohl Aufklärung zu schöpfen; es 
wird aber auch nicht nötig sein, hierauf oder auf die Frage, welche 
Einwirkungen die Veränderungen in der Schiefe der Ekliptik haben 
werden, näher einzugehen, da in jedem Falle gewiss ist, dass man 
ein paar hunderttausend Jahre vor dem Eintritt einer neuen Eiszeit 
sicher ist. 
Schliesslich ist noch anzuführen, dass man auch noch auf 
anderem als astronomischem Wege, nämlich aus den. seither ent- 
standenen Alluvionen und gewachsenen Torffeldern die seit dem 
Ende der letzten Eiszeit verflossene Zeit zu berechnen gesucht hat, 
allein es gab dies nur sehr unsichere Resultate. 
Indessen ist die Ansicht von ApmrMmAr-CroLL noch nicht allge- 
mein anerkannt, wird vielmehr mehr und mehr bestritten. Man 
macht hiegegen geltend, „dass die Sonne trotz der Verschiedenheit 
ihrer Entfernung doch beiden Halbkugeln unter gleichen Breiten 
genau die gleiche Wärmemenge spende, die Verschiedenheit sich 
auf eine ungleiche Verteilung der Temperaturen in den verschiedenen 
Monaten des Jahres beschränke,“ —- „dass der kürzere Sommer 
wegen der grösseren Nähe der Sonne heisser sei, dass der Wärme- 
empfang sich kompensire, ob der Winter kurz oder lang sei.“ — 
Allein es kommt nicht bloss auf die empfangene Wärme an, sondern 
auch darauf wie viel man davon behält, wie viel von dauernder 
Wirkung ist, wogegen die wieder ausgestrahlte Wärme verloren geht 
und dies ist um so mehr der Fall, je länger und schon an sich 
kälter die Winter sind. 
Auch ist den obigen theoretischen Grundsätzen zum Trotze 
in Wirklichkeit eben doch der Sommer auf der südlichen Halb- 
kugel derzeit kühler als auf der nördlichen, insbesondere ist die 
südliche Halbkugel derzeit bedeutend stärker vereist als die nörd- 
liche. In Neuseeland, dessen Lage der von Neapel entspricht, und 
welches dazu ein Seeklima hat, sind die Hochgebirge mit weit ausge- 
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